Berlin, 22.03.2012. „Mehr Wettbewerb führt auch zu mehr Qualität in der Abschlussprüfung“, erklärte Dr. Volker Wissing, Stellvertretender Vorsitzender und Finanzpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, am 6. März 2012 als Keynote-Speaker vor gut 80 geladenen Gästen in Berlin. Die ETL-Gruppe, die Nummer Fünf unter den größten deutschen Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungs-gesellschaften, hatte unter dem Titel „Funktioniert das Frühwarnsystem Wirtschaftsprüfung?“ in die Repräsentanz der DZ BANK eingeladen und diskutierte mit Vertretern aus Politik, Verbänden, Wirtschaft und der Wirtschaftsprüfungsbranche Vor- und Nachteile einer stärkeren politischen Einflussnahme.
Franz-Josef Wernze, Vorstandsvorsitzender und Gründer der ETL-Gruppe, verwies in seiner Begrüßungsrede auf den Vorstoß der EU-Kommission, die Bereiche Prüfung und Beratung zu trennen und damit die beherrschende Marktstellung der vier großen Prüfungsgesellschaften aufzubrechen.
„Monsieur Michel Barnier hat einen Stein ins Wasser geworfen und eine wichtige Diskussion über die Unabhängigkeit der Abschlussprüfer in Gang gebracht“, so Wernze. „Für unsere Kunden wäre es undenkbar, sich auf ihren Abschlussprüfer nicht mehr verlassen zu können – an seinem Urteil zu zweifeln. Das Vertrauen der Kunden, das Vertrauen des gesamten Marktes spiegelt sich in der Arbeit eines Wirtschaftsprüfers wider.“
In der anschließenden lebhaft geführten Podiumsdiskussion, moderiert von n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel, wurde das Spannungsfeld zwischen der Gefahr einer politischen Überregulierung und einer zu großen Marktmacht der großen Prüfungsgesellschaften intensiv beleuchtet. Alexandra Thein, Mitglied und Rechtspolitische Sprecherin der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa im Europäischen Parlament (ALDE), sprach sich gegen eine Ausweitung der Regeln auf kleine und mittlere Unternehmen aus. „Wir dürfen nicht über das Ziel hinausschießen, darauf werde ich ein Auge haben“, so die Europaabgeordnete. Auch Dr. Wissing warnte vor zu großen Eingriffen in die Marktfreiheit und plädierte für eine staatliche Einflussnahme „mit Augenmaß“. Gleichwohl stellte er fest, dass die Bestätigungsvermerke aller großen börsennotierten Unternehmen immer von den gleichen vier Abschlussprüfern ausgestellt wurden. „Es ist empirisch belegt, dass die Großen nicht besser sind, als die Kleinen“, so Dr. Wissing.
Christoph Tönsgerlemann, Vorstand der ETL AG Wirtschaftsprüfungs-gesellschaft, betonte in der Diskussion, dass der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer ein eigenes Interesse an einer Weiterentwicklung der Regulierung haben sollte, die den Wettbewerb und die Qualität der Abschlussprüfung stärkt: „Die starke Kritik an den Vorschlägen von Herrn Barnier erscheint als Angst um Besitzstände. Der Wirtschaftsprüfer kann seine Warnfunktion nur erfüllen, wenn er unabhängig ist, wenn seine Beauftragung dies vorsieht und wenn er fachlich und persönlich dazu geeignet ist“, so Tönsgerlemann. Michael Gschrei, Präsident der Wirtschaftsprüferkammer, schloss sich dem grundsätzlich an und sprach sich in diesem Zusammenhang erneut für eine Gebührenordnung aus: „Ein wichtiger Beitrag für die Sicherstellung der Qualität ist eine auskömmliche Vergütung, die nur durch eine Gebührenordnung gewährleistet werden kann.“ Deswegen ist die als Kammerziel definierte Gebührenordnung für hoheitliche Aufgaben der Wirtschaftsprüfer ein wichtiges Element zur Optimierung der Prüfungsqualität.
Ein wenig Zeit wird noch verstreichen, bis die europäische Regulierung die nationale Politik beschäftigen wird. Das Europäische Parlament will seine Beratungen bis Anfang 2013 abgeschlossen haben. Doch die Einigung mit den Mitgliedstaaten könne sich noch länger hinziehen, so Thein. „Insbesondere kleinere Staaten sind noch damit beschäftigt, die Vorgängerregelungen umzusetzen“, sagte die ALDE-Abgeordnete.
In seinen Abschlussworten verwies ETL-Gründer Franz-Josef Wernze auf die mittelständischen Tugenden deutscher Unternehmer, die bei manch fachlicher Betrachtung auch schon mal in den Hintergrund geraten: „Wir sind mittelständisch geprägt, denken und handeln wie ein deutscher Unternehmer. Solidität, Verlässlichkeit, Unabhängigkeit und die Nähe zu unseren Kunden sind uns wichtig.“
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