Freie Presse (Chemnitz): Kommentar „Freie Presse“ zum Kita-Ausbau

Zum erforderlichen Ausbau der Kita-Plätze bis
2013 kommentiert die in Chemnitz erscheinende „Freie Presse“:

Nach Schröder“scher Vorstellung kann die Politik den
Rechtsanspruch garantieren, wenn für maximal 38 Prozent der unter
Dreijährigen ein Kita-Platz zur Verfügung steht. Das Problem ist
jedoch, dass der Bedarf an Kita-Plätzen steigt und steigt und eben
nicht an einer politisch vorgegebenen Prozentmarke endet. In seiner
jüngsten Modellrechnung geht das Statistische Bundesamt davon aus,
dass der tatsächliche Bedarf eine Versorgungsquote von 46 Prozent
bedeuten müsste. Ähnliche Zahlen hat kürzlich die
Bertelsmann-Stiftung in einer Studie ermittelt. Die Politik ist also
gut beraten, diese Prognosen nicht einfach zu ignorieren. Sicher ist
es in Zeiten leerer Kassen schwierig, möglicherweise noch mehr Geld
für die Kinderbetreuung lockermachen zu müssen. Es ist in jedem Fall
gut investiertes Geld. Das frühkindliche Betreuungssystem soll
schließlich nicht nur berufstätige Eltern in ihrem Kinderwunsch
unterstützen, sondern auch benachteiligte Kinder rechtzeitig fördern,
um deren Bildungschancen lebenslang zu erhöhen. Und da gibt es in
Deutschland viel zu tun.

Wenn die Familienministerin zurecht am Rechtsanspruch festhält,
muss sie also auch das dafür nötige Geld bereitstellen. Sollten am
Ende weniger Plätze gebraucht werden, gäbe es für das zusätzliche
Geld trotzdem gute Verwendung. Im Westen werden in den Krippen
durchschnittlich 4,8 Kinder von einer Erzieherin betreut, im Osten
sind es 6,6 Kinder. Fachleute empfehlen einen Personalschlüssel von
1:3.

Pressekontakt:
Freie Presse (Chemnitz)
Torsten Kleditzsch
Telefon: +49 371 656-10400
torsten.kleditzsch@freiepresse.de