FOM-Studierender berichtet von Erfahrungen als Tutor in China

Bremen, 25. November 2014. Auf einer Höhe von 780 Metern, am Fluss Fen He gelegen, befindet sich Taiyuan. Seit dem Wintersemester ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shanxi das neue Zuhause von Christian Stöwer. Der 25-Jährige studiert berufsbegleitend „Wirtschaft und Management“ an der FOM Open Business School in Bremen und ist im Zuge einer Hochschul-Kooperation für dreieinhalb Monate als Tutor an der Shanxi University of Finance & Eonomics tätig. Im Interview berichtet Stöwer von seinen bisherigen Erfahrungen in der Lehre, Herausforderungen im Alltag, Highlights beim Sightseeing sowie Erwartungen an die verbleibende Zeit.

Sie sind jetzt seit elf Wochen in Taiyuan. Wie gefällt es Ihnen?

Christian Stöwer: Es gefällt mir sehr gut. Meine Erwartungen wurden sogar übertroffen. Ich konnte schnell Anschluss finden und verbringe viel Zeit mit meiner Tutoren-Gruppe. Wir sind insgesamt neun ganz unterschiedliche Charaktere, die aber bestens miteinander auskommen. Wir wohnen in sehr komfortablen Zwei-Zimmer-Wohnungen mit eigenem Bad und Küche. Das Leben hier ist insgesamt sehr familiär. Bei Fragen, fachlicher oder privater Art, stehen uns die Verantwortlichen und Dozenten immer zur Seite.

Vor welchen Hürden stehen Sie im Alltag und wie gehen Sie damit um?

Christian Stöwer: Inzwischen sind es immer weniger Hürden. Wir brauchen nur noch Hilfe bei offiziellen und organisatorischen Dingen. Einkauf, Restaurant- oder Friseurbesuch klappen auch allein ganz gut. Mit Worten wie „Hallo“, „Vielen Dank“, „Auf Wiedersehen“, Zahlen und ein paar Redewendungen kommt man hier wirklich weit. Ein Lächeln tut oftmals sein Übriges. So ähnlich verhält es sich auch mit dem Essen. Es ist mit dem, was wir aus chinesischen Restaurants in Deutschland kennen, nicht vergleichbar. Das Essen hier ist viel abwechslungsreicher und schmeckt hervorragend. Darüber hinaus werden uns viele ungewöhnliche Speisen wie Hühnerfüße, Schnecken, Schildkröten oder Frösche angeboten. Kleine Essensstände und improvisierte Garküchen an jeder Straßenecke sind mein persönliches Highlight. Auch in Sachen Internet und Kommunikation nach Deutschland gibt es kaum Probleme; Smartphone und mobiles Internet sind hier Usus.

Sie sind als Tutor tätig. Inwieweit unterscheiden sich Hochschule, Lehre und Studierende von dem, was Sie aus Deutschland kennen?

Christian Stöwer: Das Studium und die Inhalte unterscheiden sich kaum von denen in Deutschland. Anders als beim berufsbegleitenden FOM Studium in Deutschland wird hier allerdings in Vollzeit studiert. Es finden täglich zwei Vorlesungen und ein Tutorium statt. Diese sind an die FOM Vorlesungen angelehnt und sehr interaktiv gestaltet. Die Studierenden sollen Inhalte erläutern, hinterfragen, diskutieren und miteinander interagieren. Die Lernkultur lässt sich mit der eines deutschen FOM Studenten allerdings nicht wirklich vergleichen. Was auffällt: Der Großteil der chinesischen Studierenden ist sehr neugierig, fleißig und penibel. Bis in den späten Abend hinein sitzen sie in der Bibliothek und lernen.

Hatten Sie bereits Zeit, das Land zu erkunden? Was sind bisherige Highlights?

Christian Stöwer: Wir haben uns an den vergangenen Wochenenden einige Top-Sehenswürdigkeiten angeschaut. Die Eindrücke in ihrer Summe sind das Besondere: die Hauptstadt Peking, das dynamische Finanzzentrum Shanghai, traditionsreiche Orte wie Qingdao als ehemalige deutsche Kolonie, die innere Mongolei, der Panda-Park in Chengdu – all das war unglaublich beeindruckend.

Welche Eindrücke und Erfahrungen nehmen Sie schon jetzt mit nach Hause?

Christian Stöwer: Als Tutor habe ich gelernt, andere zu motivieren und zu aktivieren. Es ist ein tolles Erfolgserlebnis, wenn beispielsweise ein anfangs schüchterner Student nach und nach immer mehr auftaut und dies der eigene Verdienst ist. Auch die interkulturelle Kompetenz hat sich enorm weiterentwickelt. Man begreift die Kultur, das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen durch die Arbeit mit ihnen sowie das eigenständige Leben, das man hier führt. Jedem, der im Vorfeld wegen der Kultur und Lebensweise zweifeln sollte, kann ich nur sagen, dass es sich absolut lohnt, dieses riesige, unglaublich vielseitige und schöne Land zu bereisen. Ich habe so viele herzliche, freundliche Menschen kennengelernt, dass ich jederzeit wiederkommen würde.