Mannheim, 22. April 2016: Auf dem diesjährigen Finanzsymposium in Mannheim plädierte Gregor Gysi, langjähriger Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, vor den knapp 2000 Unternehmens- und Bankenvertretern für eine maßvolle Regulierung. Überregulierung schade, aber zu wenig Regulierung fördere die Spekulation. „Nie wieder dürfen private Spekulationen der Banken dazu führen, dass die Steuerzahler Milliarden Dollar oder Euro zu bezahlen haben. Es braucht ein neues Machtverhältnis zwischen Finanz- und Wirtschaftswelt auf der einen und Politik auf der anderen Seite“, forderte Gysi.
Negativzinsen hätten auch ihre gute Seite: Die Menschen ärgerten sich über die Wertminderung ihrer Sparguthaben, aber niemand gehe deshalb auf die Straße. Man solle die aktuelle Situation für Investitionen nutzen und die Binnenwirtschaft stärken. Nicht in laufende Ausgaben, aber in Zukunftsinvestitionen, allen voran in die Bildung. „Leider hat diese Regierung aber ein erotisches Verhältnis zur schwarzen Null“, so Gysi.
Vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise warnte Gysi vor den „einfachen Antworten“ der AFD. Die einzige Lösung sei eine systematische Bekämpfung der Fluchtursachen. Nationale Abschottung könne in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung nicht mehr funktionieren, das wüssten auch die Unternehmen und Banken. Was zuvor auch Barbara Böttcher, Leiterin der volkswirtschaftlichen Research-Abteilung der Deutschen Bank, in ihrem Eingangsreferat („Wohlstand schaffender Handel und Migration gehören zusammen“) betont hatte.
Sorgen vor einem möglichen Brexit
Ein eventueller Brexit wäre „furchtbar“, so Gysi. Damit seien Dominoeffekte vorprogrammiert, weitere Länder würden folgen und das wäre ein Ende des Euro.
Besorgt über einen möglichen Austritt von Großbritannien aus der EU hatte sich am Vortag auch Edgar Walk, Chefökonom von Metzler Asset Management, geäußert. Angesichts des hohen strukturellen Leistungsbilanzdefizits von rund 5 Prozent des BIP sei Großbritannien „ungemein krisenanfällig“. Ein Austritt aus der EU könnte einen Währungskollaps des Pfundes und stark steigende Zinsen nach sich ziehen. „Eine schwere Rezession in Großbritannien hätte auch Folgen für die Wirtschaft in Deutschland und im restlichen Europa“, mahnte Walk.
Das in diesem Jahr zum 28. Mal stattfindende Finanzsymposium zog zwischen dem 20.- und 22. April rund 1.000 Finanzverantwortliche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie 970 Vertreter von Banken und IT-Lösungsanbietern nach Mannheim. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Anlageprobleme der Unternehmen in Zeiten von Negativzinsen, Fremdwährungsrisiken sowie die zunehmenden Risiken durch Cyberkriminalität.