
Die Zahl der epilepsiekranken Arbeitslosen ist dreimal höher als im Durchschnitt der Bevölkerung. Unbestritten ist, dass Berufe wie Dachdecker oder Busfahrer mit aktiver Epilepsie in der Regel nicht ausgeübt werden dürfen. Leider werden auch Tätigkeiten mit arbeitsmedizinisch vertretbaren Verletzungsrisiken häufig nicht angemessen eingeschätzt. Die Folge: Menschen mit Epilepsie verlieren zu häufig wegen vorschneller oder nicht sachgemäßer Entscheidungen ihren Arbeitsplatz.
Dass Epilepsie jedoch nicht zwangsläufig ins berufliche Aus führt, zeigte das NEA-Fachteam Baden beim Treffen im CJD Jugenddorf Offenburg. Dr. med. Christoph Kurth, Oberarzt im Epilepsiezentrum Kork, referierte über Epilepsien und psychiatrische Begleiterkrankungen. Dabei legte er einen Schwerpunkt auf Anfälle, die irrtümlich als epileptische Anfälle diagnostiziert und falsch behandelt werden.
Sozialarbeiterin Michaela Pauline Lux, ebenfalls Mitarbeiterin im Epilepsiezentrum Kork sowie im „Modellprojekt Epilepsie“, vermittelte Risikoeinschätzungen und arbeitsmedizinische Empfehlungen.
Beate Wild vom Integrationsfachdienst Offenburg berichtete über dessen regionale Arbeitsweise sowie Erfahrungen im Kontext von Epilepsie und Arbeit. Achim Wenzel-Teuber präsentierte das CJD Jugenddorf Offenburg und die Arbeit mit an Epilepsie erkrankten jungen Menschen.
Abschließend diskutierte das Fachteam Fallbeispiele aus der täglichen Arbeit und beriet über mögliche Schritte zur Stabilisierung der beruflichen Situation.
Konkretes Beispiel: Ein seit über 20 Jahren als Busfahrer arbeitender Mann war nach dem ersten epileptischen Anfall mit einem Fahrverbot von zwei Jahren konfrontiert. Mit Unterstützung der Epilepsieklinik für Erwachsene und der EpilepsieBeratungsstelle in Kork konnte er einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Dies wiederum ermöglichte dem Schwerbehindertenvertreter im Betrieb auf eine Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz hinzuwirken, bis das Fahrverbot endete. Der Busfahrer musste weder länger krankgeschrieben noch gekündigt werden. Der Integrationsfachdienst wurde informiert und hat auch künftig Unterstützung zugesagt.
Weitere Informationen unter:
http://www.epilepsie-arbeit.de