„Die geringe Schul- oder Lehrausbildung der Inhaftierten wird oftmals von wiederholten Misserfolgen, Lernängsten und Lernblockaden begleitet“, weiß GFAW-Geschäftsführer Thomas Kretschmer. „Deshalb sind Aus- und Weiterbildung wichtige Bausteine für die berufliche Entwicklung von Strafgefangenen. Sie haben damit nach der Haft bessere Chancen, im Arbeitsleben Fuß zu fassen“.
Bereits vor Beginn der Qualifizierung werden die individuellen Kompetenzen der Strafgefangenen festgestellt. Mittels hamet 2 – ein wissenschaftlich abgesicherter, methodischer Eignungstest zur beruflichen Diagnostik – werden praktische Fähigkeiten und Kenntnisse, Lernfähigkeit sowie soziale Eigenschaften ermittelt. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für den individuellen Förder- und Bildungsplan der Strafgefangenen.
Das Projekt bietet den Teilnehmern zudem eine Betreuung, die über die Zeit der Qualifizierung hinaus geht. Um eine nachhaltige Eingliederung in das Erwerbsleben zu ermöglichen, beginnt bereits sechs Monate vor der Haftentlassung das Wiedereingliederungsmanagement.
Von 30 Teilnehmern, die im Rahmen der beruflichen Integration nach Haftentlassung unterstützt wurden (Betrachtung des Jahres 2009 bis Juni 2010), konnten 77% der Teilnehmer erfolgreich vermittelt werden: zehn Teilnehmer in Arbeit und 13 Teilnehmer in eine berufliche Aus- und Weiterbildung.
Hintergrundinformationen:
Das Projekt B.I.S.S. startete im November 2007 in sechs Justizvollzugseinrichtungen. Qualifiziert werden insgesamt 498 Strafgefangene durch die Berufsfortbildungswerk GmbH (bfw) sowie der Grone Bildungszentren gGmbH. Unterstützt wird das Projekt mit 5,8 Millionen Euro aus ESF-Mitteln.
Die Bildungsmaßnahmen in der Berufsbildungsstätte Tonna haben das Ziel, Langzeitinhaftierte auf die berufliche und soziale Integration in die Gesellschaft vorzubreiten. Es werden daher anerkannte Abschlüsse von der IHK, der HWK und deren Innungen sowie dem Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V. (DVS) in verschiedenen Branchen, wie z.B. Elektroniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, Garten- und Landschaftsbauer, Koch, Bauten- und Objektbeschichter oder Teilezurichter, angeboten. Anerkannte Abschlüsse verbessern die beruflichen Kompetenzen der Inhaftierten. Damit erhöhen sich die Chancen, dass Strafgefangene nach der Haftzeit wieder Fuß im Arbeitsleben fassen.