Wie genau verändert sich die Bevölkerung im bayerischen Alpenraum? Welche Risiken, welche Chancen birgt diese Entwicklung, und was ist zu tun? Antworten liefert der erste Demografie-Check bis 2028 des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, der vor kurzem erschienen ist. Der Landkreis ist Projektpartner und Modellregion des EU-Projektes „demochange“. Landrat Harald Kühn sieht den Check als Chance „für ein detaillierteres Verständnis“ sowie, um „geeignete Maßnahmen zur Einleitung einer Trendwende zu entwickeln“.
Das Alpenforschungsinstitut hat dabei die Bereiche Pflege und Soziales sowie Wirtschaft und Tourismus mit zwei Arbeitsgruppen unter die Lupe genommen. Vertreter von Kirchen, Caritas, Alten- und Pflegeheimen, Leiter der Kliniken brachte das AFI hier ebenso zusammen wie Profis aus der Software-Branche, dem Tourismus oder Gewerbe im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.
Der Demografie-Check GAP zeigt eingangs Prognosen und interessante Unterschiede: Hier wird deutlich, wie sich die Bevölkerung – in Zahl und Struktur – von Ort zu Ort entwickelt (hat). Die Palette reicht von Boom-Gemeinden, wie Seehausen mit rund 20 Prozent Bevölkerungszuwachs in den vergangenen 15 Jahren bis zu Ettal mit einem ebenso hohen Rückgang. Dann zeichnet die Doku für die Bereiche Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung, Gesundheitswesen etc. ein sehr genaues Bild der Region. Besonders aufschlussreich sind die Daten, die den Landkreis im bayerischen oder bundesweiten Durchschnitt spiegeln. So wird oft deutlich, wo Handlungsbedarf besteht. Personalengpässe dürfte etwa die deutliche Abwanderung der 18 – 29-Jährigen bringen, gepaart mit den Folgen von Altersteilzeit, Vorruhestand und hoher Teilzeitquote bei Frauen. Die niedrige Arbeitslosigkeit in der Region könnte so zum Dilemma werden. Auch bezahlbarer Wohnraum – gerade für Familien, die hier fußfassen wollen – ist Mangelware im Landkreis. Laut amtlicher Statistik soll die Miete etwa ein Drittel vom Netto-Einkommen betragen. Im Markt Garmisch-Partenkirchen liegen die Mietpreise jedoch bei 12 – 13 EUR /qm, was Münchner Niveau entspricht. Das durchschnittliche Einkommensniveau und die regionale Wertschöpfung liegen hingegen deutlich unter dem der Landeshauptstadt.
Der Check liefert bereits Vorschläge, wie die aufgezeigten Probleme anzupacken sind. Bis September 2012 soll nun ein Maßnahmenkatalog inklusive Finanzierungsbedarf stehen, sowie erste kleinere Schritte bereits gesetzt werden.
Die Hochschule München betreut den Landkreis wissenschaftlich und bereitete die Daten auf. Gleichzeitig betreut das Team der Fakultät für Tourismus auch das Allgäu, das als zweite deutsche Modellregion fungiert. Der Allgäuer Demografie-Check bis 2028 ist ähnlich aufschlussreich und im Juni 2011 erschienen. Neben Garmisch-Partenkirchen und dem Allgäu bringen Modellregionen aus Österreich, Slowenien, Italien und der Schweiz ihre Erfahrungen ein. Daraus entwickelt das Projektteam bis 2012 Anpassungsstrategien und Empfehlungen für Kommunen in den Alpen. Das Projekt wird im Rahmen des EU-Alpenraumprogramms gefördert.
Die beiden Demografie-Checks und mehr Informationen sind erhältlich unter http://www.demochange.org
Weitere Informationen unter:
http://www.peak-pr.de