Electronic Arts will Online-Umsatz in fünf Jahren mehr als verdoppeln: Verkauf von Spielen im Handel immer weniger bedeutend

Soziale Netzwerke und Smart-Phones bringen neue
Kunden / Weitere Akquisitionen nicht ausgeschlossen

Hamburg, 17. August 2010 – Der zweitgrößte Videospiel-Hersteller
der Welt, Electronic Arts (EA), erwartet stark steigende Einnahmen
aus seiner digitalen Geschäftssparte. Schon in fünf Jahren würden
browser-basierte Abo-Spiele, Online-Werbung sowie Downloads via
Internet und Handy die Hälfte der Erlöse beisteuern, sagte EA-Chef
John Riccitiello im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin “Capital“
(Ausgabe 9/2010, EVT 20. August). „Heute machen wir 20 Prozent des
Umsatzes online und mobil, vor fünf Jahren lagen wir noch bei drei,
vier Prozent.“ Dabei seien die Margen höher als beim Verkauf von
Spielen auf CD und DVD. „Deswegen gehen wir weg vom Verkauf
physischer Datenträger“, sagte der Manager, der das Unternehmen mit
Sitz im kalifornischen Redwood City seit 2007 führt. „Wir stellen
heute nicht mehr in erster Linie Produkte her, sondern bieten
Dienstleistungen an.“

Riccitiello erwartet, dass Innovationen wie soziale Netzwerke,
Breitband-Internet und Smart-Phones den Markt weiter antreiben. Zudem
seien Videospiele gesellschaftsfähig geworden. „Früher saß man allein
auf der Couch, heute spielen die Leute zusammen, im Wohnzimmer und
übers Internet“, so der EA-Chef im “Capital“-Interview. Innerhalb von
nur fünf Jahren habe sich die weltweite Zahl der Gamer dadurch auf
mehr als eine Milliarde verfünffacht. Auch von 3D-Spielen erwartet
Riccitiello neue Impulse. Bis ein Massenmarkt entsteht, werde es aber
noch Jahre dauern.

Weitere Zukäufe schloss Riccitiello gegenüber “Capital“ nicht aus:
Er sei an Geschäftsmodellen interessiert, die EA-Spiele wie „Fifa
2010″, „Need for Speed“ oder „Battlefield“ an neue Erlös-Quellen
heranführen. „Akquisitionen können dabei helfen.“ Im November 2009
hatte EA für rund 300 Millionen Dollar die auf Spiele für soziale
Netzwerke spezialisierte Firma Playfish gekauft und gehört seitdem zu
den Marktführern auf Facebook. Ziel sei es, Schritt für Schritt ein
Entertainment-Unternehmen aufzubauen, dessen Marken zwölf Monate im
Jahr Geld einspielen, so Riccitiello: „Das ist etwas ganz anderes,
als wenn Sie einmal im Jahr ein auf CD gepresstes Spiel in den Handel
bringen.“

Für EA selbst beginnt sich der strategische Umbau indes erst
langsam auszuzahlen. Seit Jahresbeginn schreibt das Unternehmen nach
einer Serie von zwölf roten Quartalen in Folge und insgesamt 2,2 Mrd.
Dollar Verlust erstmals wieder schwarze Zahlen. Der verlustreiche
Turnaround spiegelt sich im Aktienkursverlauf wider. Während EA vor
fünf Jahren an der Börse noch knapp 17 Milliarden Euro wert war, sind
es heute nur noch vier Milliarden Euro. „Es kann schon zermürbend
sein, bis Investoren die Chancen erkennen. Aktienkurse hinken oft ein
bis drei Jahre der realen Entwicklung hinterher“, sagte Riccitiello.
EA müsse nun die jüngsten Erfolge bestätigen, damit die Investoren an
seine Strategie glaubten.

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Nikos Späth, Redaktion G+J Wirtschaftsmedien,
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