„Kaufen Sie auch schon in China ein?“
Das Goldene Kalb, dass im Mittelpunkt der Sparorgien stand, waren niedrige Lohnkosten – überwiegend in China. Aufgrund weniger Prozentpunkte wurden vor ca. 5 bis 10 Jahren die heißesten Standort- und Sourcing-Diskussionen geführt. Die Enttäuschung kam relativ schnell. Qualitätsprobleme, Rechts- und Transportunsicherheiten, Flexibilitätsmängel und eine Wirtschaftskrise, die die Schwellenländer betraf, machten aus „ganz billig“ schnell „ziemlich teuer“. Den Auslandseinkauf machten sie so ganz nebenbei auch wieder zu dem, was er immer schon war: Eine von vielen lukrativen Möglichkeiten in der Beschaffung.
Die zu beachtende Grundregel lautet, dass ein Gesamtkostenvergleich immer einem bloßen Preisvergleich vorangeht.
Schwellenländer stolpern über ihren eigenen Erfolg
Lapidar könnte man sagen, dass die Schwellenländer über ihren eigenen Erfolg gestolpert sind. In der irrtümlichen Annahme, dass ihre Wachstumsmodelle für immer im Trend sein würden, haben sie sich wenig bis überhaupt nicht auf Veränderungen eingestellt. Zukunftsstrategien wurden ganz außer Acht gelassen.
Brasilien hat beispielsweise genau wie die vergangene Fußball Weltmeisterschaft Reformen buchstäblich verpennt, für Putins Russland sind Rohstoffe Segen und Fluch zugleich, Indien wollte einst China als Treibkraft der Weltwirtschaft ablösen, und in Maos verflossenem Reich der Mitte werden steigende Lohnkosten und ein starker Yuan / Renminbi gefährlich für die globale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie.
Auch die starken Währungsschwankungen machen einigen Ländern zu schaffen. Besonders litt die Türkei in den vergangenen Monaten. So hat man das Gefühl, dass der Türkischen Lira im Vergleich zum Euro nichts mehr Wert ist. Der Grund: Ein hohes Leistungsbilanzdefizit in Kombination mit niedriger Währungsreserven im Rahmen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zwang die türkische Regierung dazu, Kapital von den Finanzmärkten zu besorgen. Dort sitzt das Geld längst nicht mehr so locker.
Gegner der Globalisierung kennzeichnen diese Faktoren als Hauptgrund für den Währungsverfall in den Schwellenländern. Das es gehört mehr dazu. Für viele dieser aufstrebenden Märkte (Emerging Markets) ist China in der heutigen Zeit ein wichtiger Motor. Läuft es dort mit der Konjunktur nicht mehr rund, ist das gleiche Bild in den Schwellenländern vorzufinden. Doch auch die einseitige Konzentration hinsichtlich der Volkswirtschaften auf Rohstoffe führt neben den Währungsschwankungen zu Turbulenzen bei den Preisentwicklungen dieser Märkte.
Die Problemliste der deutschen bzw. europäischen Unternehmen ist lang: Die Ost-Ukraine-Krise als Musterbeispiel für eine politische Krise, gravierende Defizite in der Infrastruktur in fast allen Schwellenländern, eine hohe Barriere an Bürokratie beim Einkauf, dass den Firmen Schwierigkeiten bereitet.
Europa ist als Beschaffungsmarkt wieder im Trend
Verschiedene Umfragen haben zu Beginn des Jahres 2014 festgestellt, dass die strategische Neuausrichtung deutscher Unternehmen in Sachen Beschaffung deutlich geändert hat: Europa ist wieder zum Investitionsziel Nummer 1 geworden.
Die deutschen „Global Sourcer“ haben gemerkt, dass Einkauf in Europa – z. B. Spanien sehr interessant sein kann. Nicht zuletzt durch Arbeitsmarktreformen, die auf der Iberischen Halbinsel als gesunkene Lohnstückkosten bemerkbar sind. Die Gehälter sind um die Hälfte bis zwei Drittel niedriger als in Deutschland. Auch Polen und Tschechien punkten mit niedrigen Lohnkosten (ca. ein Drittel im Vergleich zu Deutschland).
Die Zukunft wird zeigen, wie sich die Beschaffungsmärkte Europa und Asien entwickeln werden. Viele europäische Unternehmen haben jedoch realisiert, dass Fernost nicht immer die optimalen Bedingungen bietet, auch wenn die Kosten zunächst attraktiv erscheinen. Meist erfordert der Einkauf erhebliche Ressourcen, um gewohnte Qualitätskriterien zu erreichen, die man gewohnt ist.
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