Digitalisierung und Personalabbau: Warum Kündigungen im Mittelstand unvermeidlich sind

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt bereits seit einigen Jahren grundlegend. Die Unternehmen stehen vor diesem Hintergrund unter einem wachsenden Druck, sich an neue Technologien und veränderte Marktbedingungen anzupassen.

Gerade für den Mittelstand stellt der Wandel eine Gratwanderung dar: Einerseits müssen die Betriebe Innovationen vorantreiben, andererseits fehlt es jedoch häufig an Ressourcen, um diese Transformation reibungslos zu gestalten. Dies führt nicht selten zu Personalabbau, der trotz aller gegenteiligen Bemühungen unvermeidbar scheint.

Digitalisierung als Motor für Veränderungen

Die Einführung von modernen Technologien wie der Automatisierung, der Künstlichen Intelligenz und cloudbasierten Systeme hat das Potential, zahlreiche Prozesse effizienter und kostengünstiger zu gestalten.

Maschinen übernehmen repetitive Aufgaben, während digitale Tools für eine Steigerung der Produktivität sorgen. Doch diese Entwicklung hat ihren Preis. Besonders in kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlen häufig die finanziellen Mittel, um entsprechende Schulungen für bestehende Mitarbeiter flächendeckend anzubieten.

Gleichzeitig verändert sich die Nachfrage nach bestimmten Berufen drastisch. Tätigkeiten, die bisher fest in den Unternehmensalltag integriert waren, fallen vollständig weg oder werden durch digitale Lösungen ersetzt.

Dieser Wandel erfordert also eine strategische Neuausrichtung – sowohl in technischer als auch in personeller Hinsicht. Während größere Unternehmen in der Regel über Abteilungen verfügen, die sich ausschließlich mit dem Change-Management befassen, müssen mittelständische Betriebe diese Herausforderungen mit ihren wesentlich knapperen Ressourcen meistern.

Kündigungen trotz Fachkräftemangels?

Ironischerweise stehen diese Umstrukturierungen in starkem Kontrast zu dem anhaltenden Fachkräftemangel, der den deutschen Mittelstand bereits seit Jahren stark belastet.

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft fehlten im Jahr 2023 in Deutschland etwa 630.000 Fachkräfte in den MINT-Berufen. Dennoch bleiben Kündigungen in vielen Fällen eine unausweichliche Konsequenz der Digitalisierung.

Besonders in traditionellen Branchen, die stark von Automatisierung betroffen sind, zeigt sich dieses Spannungsfeld. Während Unternehmen in der Metall- oder Kunststoffverarbeitung durch moderne Produktionsanlagen effizienter arbeiten können, werden einfache operative Tätigkeiten zunehmend obsolet. In solchen Fällen bedeutet eine betriebsbedingte Kündigung für viele Arbeitnehmer das Ende ihrer Tätigkeit − auch wenn das Unternehmen parallel händeringend nach IT-Fachkräften oder Ingenieuren sucht.

Dieses Ungleichgewicht verdeutlicht, wie schwierig es ist, die aktuelle Transformation sozialverträglich zu gestalten.

Strategien für die personelle Zukunftsfähigkeit

Um solche Kündigungen so weit wie möglich zu vermeiden, setzen viele mittelständische Unternehmen schon heute auf eine vorausschauende Personalplanung und entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen.

Programme zur Weiterbildung und Umschulung spielen in diesem Kontext eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen es, bestehendes Personal an die Anforderungen der neuen Technologien anzupassen. Dennoch gibt es Grenzen: Gerade ältere Mitarbeiter oder solche, die über Jahrzehnte in unveränderten Strukturen gearbeitet haben, tun sich oft schwer mit der Umstellung.

Ein weiteres Instrument, das sich bewährt hat, ist die gezielte Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen. Viele Unternehmen bieten duale Studiengänge oder praxisorientierte Schulungen an, um frühzeitig qualifizierte Fachkräfte auszubilden. Auch eine verstärkte Kommunikation mit den Mitarbeitern hilft, die verbundenen Ängste abzubauen und eine höhere Akzeptanz für Veränderungen zu schaffen.

Die Rolle von Politik und Gesellschaft

Die Politik ist außerdem gefordert, die Transformation im Mittelstand aktiv zu unterstützen. Durch Förderprogramme, steuerliche Erleichterungen und den Ausbau digitaler Infrastruktur kann sie den Unternehmen helfen, die Herausforderungen zu bewältigen. Gleichzeitig sollten arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, welche die Interessen der Firmen und der Arbeitnehmer gleichermaßen berücksichtigen.

Ein Beispiel dafür ist die Debatte um den sogenannten Transformationsfonds, der die KMU dabei unterstützen soll, digitale Investitionen zu tätigen und gleichzeitig soziale Verantwortung zu übernehmen. Der Erfolg solcher Programme hängt jedoch unter anderem davon ab, wie schnell und unbürokratisch sie umgesetzt werden.