Die Türkei verzeichnete 2011 das höchste Wirtschaftswachstum in Europa, ihr BIP-Zuwachs lag im Vorjahr nur knapp unter jenem Chinas. Für österreichische Exporteure bietet dieser Markt mit 75 Millionen Einwohnern große Chancen. Seit 2010 sind die Ausfuhren in die Türkei auch um 20 Prozent gestiegen, berichtet die Außenwirtschaft Österreich (AWO). Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung AG, ermutigt Exporteure, diesen Markt vor der Haustüre intensiv zu bearbeiten, bringt aber auch eine Warnung an: „Es gibt leider immer schwarze Schafe, die nicht bezahlen. In einzelnen Fällen sind Abnehmer einfach von der Bildfläche verschwunden.“
Dies ist mit ein Grund für die seit 2011 stetig steigende Nachfrage bei Versicherungen für Türkei Geschäfte – das Türkei-Obligo des Kreditversicherers liegt bei 192 Millionen Euro. Im Ranking der OeKB Versicherung AG bedeutet dies Platz sechs, noch vor Österreich mit 182 Millionen Euro. Die Versicherungsnehmer haben laut Offterdinger derzeit Zahlungsverzüge von insgesamt ca. fünf Millionen Euro gemeldet. Dies sei im Vergleich zu den gesamten Forderungen ein kleiner Anteil. Für den einzelnen Lieferanten könne der ihn betreffende Zahlungsausfall hingegen schnell böse Folgen haben und bis zur eigenen Insolvenz führen.
Offterdinger: Für einen großen Markt muss man nicht nach Asien gehen.
Dennoch gibt Offterdinger als Vorstand der OeKB Versicherung eine Empfehlung für die Türkei ab: „Viele unserer Versicherungsnehmer suchen große Märkte und werden mit der Türkei innerhalb von Europa fündig, bevor sie beginnen müssen, in Asien zu suchen.“
Der Handel in der Türkei floriert, der Bankensektor ist stabil und im Allgemeinen herrscht ein hohes Servicebewusstsein. Durch die dynamische Binnenwirtschaft und weltweite Kontakte konnte laut IWF die Türkei 2011 ein Wirtschaftswachstum von 8,5 Prozent erzielen und kam damit den 9,2 Prozent in China recht nahe. Zum Vergleich: Das europäische Durchschnittswachstum betrug zwei Prozent.
Von Exporten in die EU ist die Türkei nicht abhängig, denn der Außenhandelsanteil beträgt insgesamt nur zehn Prozent. Bei Österreichs Außenhandel belegte die Türkei laut AWO Rang 20. Gefahrenquellen für die türkische Wirtschaft sind der hohe Energieimport, der einen großen Teil des Leistungsbilanzdefizits ausmacht, sowie die steigende Abhängigkeit von ausländischem Kapital.
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