
(Ulm) – Immer im Dezember verordnet sich die Ingenics AG ein Schwerpunktthema für die kommenden zwölf Monate. Das Jahresthema 2016 greift die vorangegangenen auf und entwickelt sie weiter: „Die digitale Transformation für Montage, Produktion und Logistik – Chancen und Herausforderungen.“ Mit anderen Worten: „Industrie 4.0 weitergedacht“.
Nachdem „Smart Factory“ und „Industrie 4.0“ zwei Jahre lang das ganz große Thema auf Messen, Kongressen und natürlich in den Fachmedien gewesen ist, hört man jetzt bisweilen, der „Hype“ beginne sich abzunutzen. Sollte es tatsächlich Zeit sein, „eine neue Sau durchs Dorf zu treiben?“ Das ist Unsinn, denn das Thema hat gerade erst angefangen, wirklich spannend zu werden.
Industrie 4.0, Cyber-Physical-Systems, Internet der Dinge und Dienste – alles Entwicklungen, die eine konsequente Digitalisierung voraussetzen. Und weil die Digitalisierung in der wünschenswerten Konsequenz noch (fast) nirgends auf die Spitze getrieben ist, kann keine Rede davon sein, dass wir heute schon sagen könnten, wo die Reise letztlich hingeht. Aber wir nähern uns dem Ziel einer digitalen Durchdringung des kompletten Lifecycles von Produkt und Produktionsmittel in vielen Bereichen mit Schritten, die uns zumindest groß erscheinen. Zum Beispiel bei der Organisation des Shopfloors im Automobil- und Flugzeugbau. Die Ideengebäude, in denen man hier denkt, werden täglich größer und beziehen immer mehr Aspekte mit ein, allen voran die Logistik. Ein immenses Potenzial sehen wir in Bereichen wie der additiven Fertigung (dem so genannten 3D-Druck) oder der Einbeziehung zusätzlicher Aspekte von der Konstruktion bis zum Flottenmanagement in die Ãœberlegungen zur Entwicklung, Produktion und Vermarktung künftiger Automobile.
Die erste Phase der Industrialisierung durch Nutzung von Wasser- und Dampfkraft hatte ihren Höhepunkt mit dem ersten Zischen einer Dampfmaschine noch lange nicht erreicht – grandiose Erfindungen wie die Lokomotive oder das großindustrielle Eisenwalzwerk standen bevor. Der elektrische Strom ermöglichte die Glühlampe, das Fließband und den Rundfunk – viele epochemachende Innovationen folgten aber erst Jahrzehnte später. Auch beim Schritt von der Elektrik zur Elektronik und dem zum Computer war noch lange nicht vorstellbar, wie die dritte industrielle Revolution das Leben verändern würde. Deshalb sollte auch niemand ernsthaft daran zweifeln, dass wir heute bestenfalls vage Vorstellungen davon haben, wohin uns die globale Verfügbarkeit (fast) aller Daten und die Durchdringung aller Lebensbereiche durch das Internet in den kommenden Jahren führen werden.
Auf den Gebieten, mit denen ich mich als Vorstand eines Unternehmens und als Hochschullehrer täglich intensiv beschäftige, haben wir gerade erst zu ahnen begonnen, was Industrie 4.0 bedeuten kann, wenn wir es konsequent weiterdenken. Wir arbeiten daran.
Oliver Herkommer