Den Uni-Abschluss in der Tasche – und nun?

Schule, Abitur, Studium, Uni-Abschluss – und nun? – Steht der Start in das Berufsleben
an. Wer nach seinem Abschluss an der Universität in das Berufsleben einsteigen will, der
erlebt manchmal das, was unter Karriereexperten Praxisschock genannt wird. Das
Universitätsdiplom, der Master- oder Bachelorabschluss bringt eine der schwersten und
wichtigsten Entscheidungen mit – die Wahl des passenden Berufes. Dies hat für
Absolventen eine Tragweite wie kaum etwas anderes in diesem Lebensabschnitt.
Eine Empfehlung der Karriereberaterin Regler, die bereits am Geografischen Institut in
Tübingen den Workshop zur Beruflichen Orientierung für Universitätsabsolventen geleitet
hat, ist: „Der erste Schritt in der Planung des Berufseinstiegs ist das Herausarbeiten der
eigenen Kompetenzen, wobei gleichzeitig auf die individuellen Wünsche und Interessen
ein Augenmerk gelegt werden sollte“. Diese Stärken- und Interessensanalysen sind zwar
nicht immer leicht, sie fördern aber das Selbstvertrauen und dienen gleichzeitig als
Entscheidungshilfe bei der Berufswahl. Nicht zu vergessen sind die Rahmenbedingungen
wie beispielsweise der Ort des künftigen Tätigkeitsfeldes: „Behalten Sie immer die Frage im
Auge: Wie soll mein Job aussehen, damit ich so richtig in Fahrt komme, also zur
Höchstform auflaufe?“ rät Bischof, die selbst den Sprung von der Wissenschaft in die
Wirtschaft wagte und mit Regler an der LMU in München den Berufsfindungsworkshop für
Geografen initialisiert hat. Das entscheidende Kriterium ist jedoch, dass man es selbst für
machbar hält, einen Beruf zu finden, in dem man sich verwirklichen kann.
Zeiträume, in denen sich Absolventen gezielt und mit externer Unterstützung mit ihren
Stärken und Berufszielen auseinandersetzen können, schätzen die Karriereberaterinnen
für sehr wichtig ein. „Nicht den Erwartungen anderer zu entsprechen, sondern die eigene
Berufung zu finden und ihr zu folgen ist nicht immer einfach. Nicht nur für Berufseinsteiger,
sondern auch für Auf- und Umsteiger stellt dies häufig eine nur schwer umsetzbare
Aufgabe dar“, erklären Bischof und Regler. In speziell zugeschnittenen Workshops können
sich Berufseinsteiger frei machen von eigenen Zwängen, Ideen entwickeln und Vorfreude
schöpfen auf die kommende Etappe. „Ich habe endlich erkannt, was ich bisher bei meiner
Berufswahl falsch gemacht habe. Durch gezielte Ãœbungen konnte ich mein Profil klarer und
vollständiger gestalten. Was mir zudem sehr geholfen hat, war das Erarbeiten von ganz
konkreten Berufsfeldern“ schildert Agnes U., die bereits am Berufsfindungsworkshop an
der Universität Tübingen teilnahm.
Besonders für Absolventen von interdisziplinären Studienfächern, wie in den Geistes-,
Wirtschafts- oder Naturwissenschaften, die eine breit gefächerte Ausbildung mit sehr vielen
Wahlmöglichkeiten, aber kein klares Berufsbild bieten, ist es schwierig am Ende das
eigene individuelle Berufsfeld abzustecken. So stehen jährlich viele Studenten vor der
„Qual der Wahl“, wenn es um die eigene berufliche Positionierung geht.