„Das Gespräch mit Ihnen hat mich zum Nachdenken gebracht“

„Das Gespräch mit Ihnen hat mich zum Nachdenken gebracht“

Zum Hintergrund: Am 01. Juli 2012 soll der neue Glückspielände-rungsstaatsvertrag in Kraft treten. Zusammen mit weiteren Maß-nahmen der Politik, wie z.B. Abschaffung der Mehrfachkonzessio-nen, Werbeverbot, verkürzten Öffnungszeiten und auch die teil-weise drastisch überhöhten Vergnügungssteuersätze zahlreicher Kommunen führt dies faktisch zur Enteignung von Unternehmen und verstößt fundamental gegen die grundrechtlich garantierte Berufsfreiheit. Zurzeit rechnet man mit der Vernichtung von weit über 50% der Existenzen und Arbeitsplätze im Bereich der Auto-matenwirtschaft innerhalb und nach der Übergangszeit von fünf Jahren. Denn in fünf Jahren müssen alle bisher erteilten Konzessi-onen neu erteilt werden.

Interessant hierbei ist, dass die Argumente der Gesetzesbefür-worter darauf zielen, den Spielerschutz drastisch zu erweitern. Nachdenkenswert ist, dass die geplanten Beschränkungen aber nicht für staatliche Spielcasinos oder für die staatlichen Lotto- und Toto-Gesellschaften gelten.

Kein Wunder, dass Beschäftigte der Automatenwirtschaft, wie Frank Bartram von BALLY WULFF verunsichert sind. „Ich nehme die aktuelle politische Lage als höchst unberechenbar wahr und mache mir letztendlich Sorgen um meinen Arbeitsplatz“, erläutert Bartram den Hintergrund seiner Kontaktaufnahme zu Wolfgang Jüttner. Das sich Jüttner, Landtagsabgeordneter der SPD in Nie-dersachen bereit erklärt, für ein offenes Gespräch bei BALLY WULFF in Hannover vorbei zu schauen, macht deutlich, dass es auch vorurteilsfreie Politiker gibt, die sich eine eigene Meinung bilden möchten.

Gleich zu Beginn macht Jüttner klar, dass ihm selbst Glücksspiele fremd seien, er sich aber in den letzten Monaten einiges an Sach-verstand zum Thema angeeignet habe, und dass direkte Informa-tion vor Entscheidungen besser sei, als Pflege von Vorurteilen.

Es wird viel diskutiert in den ca. 1 ½ Stunden. Über das für und wieder der Monopolstellung des Staates, über den Unterschied der Reglementierung von Spielcasinos zu gewerblichen Spielstät-ten und immer wieder über den Spielerschutz. Denn es gibt nun mal Menschen, die in ihrer Freizeit gerne spielen. Und wenn die-sen Menschen ihre Plattform, nämlich die gewerblichen Spielstät-ten, genommen wird, wandern diese zwangsläufig ins Internet ab. Keine Frage, dass der Spielerschutz im World Wide Web nicht mehr gewährt werden kann. Das bedeutet: Kein Schutz durch maximale Einsätze pro Stunde, kein Schutz durch maximal mögli-che Spielzeiten, keine Möglichkeit, die Spielgäste durch ausgebil-dete Mitarbeiter auf Abhängigkeit und Probleme anzusprechen und auf Therapiemöglichkeiten hinzuweisen. Darüber hinaus fal-len große Mengen an Steuergeldern weg, die der Staat für Sozia-les und Umwelt nutzen würde.

Jüttner macht abschließend deutlich, dass er sicher nie persönlich ein Freund des Glücksspiels werde, dass er aber den Glücksspiel-änderungsstaatsvertrag für verfassungsrechtlich sehr bedenklich halte, und dass ihm die erkennbare Ungleichbehandlung – hier die Automatenwirtschaft, da die staatlichen Spielkasinos mit den Spielmöglichkeiten im Internet – sehr nachdenklich gestimmt hät-te.

Weitere Informationen unter:
http://www.bally-wulff.de