
Haar – Lkr. München/ „Wir haben Alarmstufe Rot“, beschreibt Haars FDP-Chef Dr. Peter Siemsen die aktuelle Cyber-Sicherheitslage in Deutschland. Er verweist dabei auf die vom unabhängigen Forschungsinstitut für IT-Sicherheit AV-TEST veröffentlichten Zahlen. Demnach werden derzeit täglich rund 450.000 neue Schadprogramme registriert, die für Angriffe auf öffentliche Einrichtungen, Unternehmen und Privathaushalte entwickelt wurden.
Als Leiter für Digitalisierung bei einem global agierenden DAX-Unternehmen kennt Siemsen die mit dem Thema IT-Sicherheit verbundenen Herausforderungen. Das regelmäßige Erstellen von Backups und die Einrichtung externer Firewalls reichten nach seiner Einschätzung nicht mehr aus, um der aktuellen Bedrohungslage wirksam zu begegnen. „Ich vergleiche das mit einem Schiff, das durch ein Eisfeld fährt. Rettungsbote bieten den Passagieren zwar Schutz, wenn sie zum Einsatz kommen ist aber bereits einiges schief gelaufen“, verbildlicht Siemsen die Situation. Er fordert daher, auf kommunaler Ebene ganzheitliche Schutzkonzepte umzusetzen, die bis auf die unterste Ebene und das einzelne Endgerät wirken. Aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung der Verwaltungen und der damit einhergehenden Datenvernetzung innerhalb der kommunalen Infrastruktur gefährden Cyberattacken zunehmend das öffentliche Leben, so Siemsen. Der Hacker-Angriff im Medienzentrum München-Land, bei dem trotz des zeitnahen Eingreifens – die Datenverbindungen zwischen den Servern und dem Internet wurden binnen weniger Minuten gekappt – sensible Daten abgegriffen und unbrauchbar gemacht wurden, zeige aus seiner Sicht, wie verwundbar die kommunale IT-Infrastruktur ist. „Die Cyber-Kriminellen beobachten die Digitalisierungsbemühungen der Kommunen ganz genau. Wer auf dem Weg zur digitalen Transformation die Informationssicherheit vernachlässigt, wird das enorme Potenzial der Digitalisierung niemals vollständig ausschöpfen können“, mahnt der FDP-Politiker. Als Mitglied des Initiativkreises Digitalisierung wirkt er an der Digitalisierungsstrategie der Gemeinde Haar mit.
Neben der Einführung ganzheitlicher, kommunaler IT-Sicherheitsarchitekturen sieht Siemsen auch in der Sensibilisierung der Bevölkerung ein wichtiges, präventives Element zur Abwehr von Cyber-Attacken. Sogenannte Bot- oder Zombienetze, in denen mehrere tausend infizierte Systeme für Angriffe zusammengeschlossen werden, seien im Zeitalter von Smartphones und Homeoffice eine ernste Bedrohung. Wer verhindern will, Teil eines solchen Angriffsnetzwerks zu werden, müsse sein Endgerät schützen. Cybersicherheit ist laut Siemsen letztlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.