Die Integrationsdebatte spaltet und schlaft Feindschaft in unserem Land. Das innerdeutsche Intellekt, die Wahrnehmungen sind da sehr verschieden. Sarrazins Apostel sind überall Gegenwärtig. Man kann kein Blatt mehr lesen, keine Nachrichten mehr verfolgen, Talkshows genießen ohne von Wahlstimmensüchtigen Politikern verfolgt zu werden, die alles, was nicht deutsch ist verteufeln.
Der Bundespräsident hat mit seiner gut gemeinten Neutralisierungsrede noch mehr Verwirrung geschaffen. Was hat er wohl mit christlich-jüdischen Wertegemeinschaft gemeint? Auschwitz, Dachau und den Holocaust, sowie die Jahrhunderte alte Verdammung der Juden durch uns Deutsche oder hatte er eine Vision, die noch weit in der Zukunft liegt?
Was meinte er damit, dass der Islam auch zu Deutschland gehört? Meinte er, dass jetzt auch die Moslems zu den Verdammten gehören, die in diesem Lande verachtet und gedemütigt werden müssen, wie damals die Juden und viele andere. Die Christen, wer ist das? Sind das die Deutschen, die den Kirchen den Rücken zukehren und diese Häuser am Sonntag morgen meiden, wie der Teufel das Weihwasser.
Lebt dieser Mann in einem anderen Deutschland, in einem Paralleluniversum und hat er sein Redemanuskript aus dieser Parallelwelt versehentlich bei uns vorgelesen. Es muss so sein, es gibt keine andere Erklärung. Mit Frau Merkel, die ihm zur Seite stand kann nur das Selbe passiert sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass beide überhaupt nicht auf deutschem Boden stehen und einfach abgehoben haben und sich Lichtjahre von der realen Geschichte und der realen Gegenwart entfernt haben.
Nur ein Schelm kann denken, dass da ein paar Leute auf Stimmenfang sind und ganz besonders die, die viele verloren haben.
Der bayrische Ministerpräsident hat sofort klargestellt, dass alles anders aussieht und er mit einer christlich-jüdischen Wertegemeinschaft, trotz Dachau in Bayern, leben kann, leider hat er im Geschichtsunterricht gefehlt, aber Moslems, die gehören nicht nach Deutschland. Mal ganz abgesehen davon, dass sich noch viele weiter Religionsgemeinschaften in Deutschland befinden, die mehr oder weniger unauffällig sind und von Sarrazin, durch Unkenntnis, nicht erwähnt wurden.
Da im nach der Rede des Bundespräsidenten aufgefallen sein muss, das schon eine beträchtliche Anzahl Moslems sich im Lande befinden, hat er sofort einen Einreisestopp dieser islamischen Kulturgruppen angemahnt und die deutsche Leitkultur ausgerufen, was das auch immer zu bedeuten hat.
Leitkultur ist ein Begriff, geprägt im Jahre 2000, der darauf hinweisen soll, dass Migranten, Zuwanderer also Gastarbeiter usw. sich der Kultur des Gastlandes anpassen, bzw. sie akzeptieren sollen. Wo und wie, da fehlen noch die genaueren Erläuterungen. Ob das jetzt auch für Deutsche (Insider), also für uns selber zutrifft bleibt, wie der ganze Begriff ziemlich vernebelt.
Der Begriff Kultur definiert sich auf unterschiedlichste Weise im Grunde jedoch darauf: „Gesamtheit der intellektuellen, künstlerischen und materiellen Leistungen, die eine soziale Gruppe oder eine bestimmte Epoche charakterisiert“ (Quelle Lexikon).
Ob es eine deutsche Kultur, im tatsächlichen Sinne von deutsch überhaupt gibt ist wird stark angezweifelt. Eher und logischer erscheint es, dass es in Deutschland verschiedenste deutsch artige Kulturen gibt. Was da noch unter einer deutschen Leitkultur zu verstehen ist, steht in den Sternen geschrieben, zumindest ist es noch nicht konkret definiert.
Eine bayrische Kultur in der man den Anhänger einer preußischen Kultur einen Saupreißn nennt, kann ja nicht zur deutschen Leitkultur gezählt werden. Ja, das ist schon sehr kompliziert – mit der bzw. den Kulturen. Denken wir mal an neoliberale, bewahrende und soziale Kultur in Deutschland. Ja, die gibt es auch bei uns.
Die konstruktive Schaffung eine Leitkultur dürfte sehr anstrengend werden, bei den vielen kulturellen Richtungen die es schon unter uns Deutschen gibt. Es ist eher zu vermuten, dass hier ein paar Politiker ihre ganz intellektuelle, eigenste Parteikultur, als Leitkultur verkaufen wollen. Zum Beispiel deutsche Leitkultur ist gleich Parteiprogramm so und so.
Eines ist in jedem Falle stimmig – mit einer deutschen Leitkultur, die den verdeckten Aufruf beinhaltet: „Ausländer raus aus Deutschland“, könnte man bestimmt eine Menge Wahlstimmen münzen und vermutlich haben sich das einige schon auf die Fahnen geschrieben. Rücksicht auf die, die andere kulturellen Modelle und Wahrnehmungen haben, wird da keine Rücksicht genommen, denn es ist eine intellektuelle, kulturelle deutsche Minderheit.
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Wolfgang Bergmann