Chef des weltgrößten Rückversicherers räumt
Ertragsprobleme in diesem Geschäftsfeld ein / Verschiebung der
Schwerpunkte bei Tochter Ergo angedeutet / Victoria Leben wird nicht
abgewickelt
Hamburg, 17. August 2010 – Der Chef des weltgrößten
Rückversicherers Munich Re hat grundsätzliche Zweifel, dass das
Anbieten von Lebensversicherungen auf Dauer ein erfolgreiches
Geschäft bleibt. Ökonomisch betrachtet sei dieses Segment nicht sehr
ertragreich, sagte Nikolaus von Bomhard dem Wirtschaftsmagazin
“Capital“ (Ausgabe 9/2010, EVT 20. August). Deshalb halte er es auch
nicht für problematisch, dass die Tochtergesellschaft Ergo in diesem
Bereich Marktanteile verliere. Von Bomhard deutete an, dass sich die
Schwerpunkte bei Ergo langfristig verschieben könnten. Weil die
Ertragskraft der Lebensversicherungssparte problematisch sei, „muss
man sich sehr genau überlegen, wo man wächst“.
Munich Re hatte kürzlich die Versicherungsmarken
Hamburg-Mannheimer, Victoria und KarstadtQuelle unter dem Namen Ergo
zusammengeführt. Dies war für von Bomhard „ein logischer Schritt“,
ausgelöst durch die Probleme des Handelskonzerns Arcandor. „Die
mach¬ten es für unsere Tochter KarstadtQuelle Versicherung unmöglich,
mit diesem Namen weiter¬zuarbeiten.“
Von Bomhard bestritt gegenüber “Capital“, dass die Probleme bei
der Victoria Leben der wahre Grund für die Umbenennung gewesen seien.
Er räumte allerdings Renditeprobleme bei dem traditionsreichen
Versicherer ein: „Richtig ist, dass die Victoria Leben nicht
ausreichend Risikotragfähigkeit besitzt, um auf der Anlageseite
höhere Risiken in Kauf zu nehmen. Diese müsste man aber eingehen,
wenn man versucht, die von den Kunden erwarteten Erträge zu
erwirtschaften.“ Deshalb konzentriere man sich jetzt auf die Marke
Ergo, die Victoria Leben nehme kein Neugeschäft mehr an. Abwickeln
will der Munich Re-Chef die Victoria allerdings vorerst nicht. „Das
ist eine befristete Stilllegung. Sie können es auch Winterschlaf
nennen.“
Im Kerngeschäft Rückversicherung werde der Konzern nicht auf
Wachstum um jeden Preis setzen, kündigte von Bomhard an. „Es kommt
uns auf Profitabilität an, nicht auf Größe.“ Es gebe aber einige gute
Wachstumsmöglichkeiten, etwa beim Geschäft mit
Lebensrückversicherungen. Bei Ergo internationalisiere der Konzern
zudem das Geschäft und suche „interessante Nischen, etwa die
Versicherung von Fotovoltaik-Anlagen“.
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Sven Oliver Clausen, Chefredaktion G+J Wirtschaftsmedien,
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