BVR: Differenzierende Lohnpolitik beibehalten

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und
Raiffeisenbanken (BVR) spricht sich in seinem aktuellen
Konjunkturbericht gegen gesamtwirtschaftliche Orientierungsgrößen für
die Lohnpolitik aus. Derartige Kennzahlen würden den gravierenden
Unterschieden in der Wirtschaftsentwicklung der einzelnen Branchen
nicht gerecht. „Die Tarifpolitik muss den Entwicklungen in den
einzelnen Wirtschaftsbereichen und Regionen sowie betrieblichen
Besonderheiten ausreichend Rechnung tragen“, erklärt
BVR-Vorstandsmitglied Dr. Andreas Martin. So werde dem Ziel einer
hohen und stabilen Beschäftigung am besten entsprochen.

Gesamtwirtschaftliche Orientierungsgrößen hingegen würden sich
nach Durchschnittsraten richten und somit eine differenzierte
Lohnentwicklung und Tarifpolitik erschweren. Im Ergebnis würde in
Wirtschaftsbereichen mit geringerem Produktivitätswachstum
Beschäftigung abgebaut.

Die Produktivität habe sich in den verschiedenen
Wirtschaftsbereichen in der Vergangenheit sehr unterschiedlich
entwickelt, stellt der BVR in seinem Bericht fest. Seit dem Jahr 1991
habe sie sich in der Agrarwirtschaft sowie dem produzierenden Gewerbe
ohne Bau mehr als verdoppelt bzw. um gut die Hälfte erhöht. Um mehr
als ein Drittel sei in diesem Zeitraum auch die Produktivität im
Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr gestiegen. Demgegenüber habe
sich die Produktivität bei den öffentlichen und privaten
Dienstleistern nur sehr schwach um weniger als 20 Prozent erhöht und
sei in den Bereichen Finanzierung, Vermietung und
Unternehmensdienstleister sowie im Baugewerbe praktisch unverändert
geblieben. Dies zeige deutlich, dass sich die Verteilungsspielräume
im Branchenvergleich sehr unterschiedlich darstellten.

Auch im Krisenjahr 2009 seien die Unterschiede zwischen den
Branchen gravierend ausgefallen. Ablesbar sei dies beispielsweise an
der Entwicklung der Lohnstückkosten, einer wichtigen Bestimmungsgröße
für die Arbeitsnachfrage der Unternehmen und die
Verteilungsspielräume bei der Lohnfindung. Im Rezessionsjahr 2009
seien die Lohnstückkosten – das Verhältnis der Arbeitskosten zur
Arbeitsproduktivität – über alle Wirtschaftsbereiche gerechnet um gut
5 Prozent gestiegen. Die Tarifsteigerungen für das Jahr 2009 seien in
der noch günstigeren Wirtschaftssituation der vorangegangenen Jahre
vereinbart worden. Aufgrund der wegbrechenden Nachfrage und der
Maßnahmen zur Verkürzung der Arbeitszeit in zahlreichen Unternehmen
seien die höheren Tariflöhne in vielen Branchen spürbar auf die
Lohnstückkosten durchgeschlagen.

Die aktuelle Studie des BVR ist im Internet unter
http://www.bvr.de/ Publikationen, Studien/Konjunktur abrufbar.

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Melanie Schmergal

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