Business-on.de: Herr Dr. Köppen, es gibt in Deutschland verschiedene Verbände, die das
Wohl der Selbstständigen, des Mittelstandes zum Ziel haben. Angefangen von den
Fachverbänden, über branchenübergreifende Verbünde bis hin zu Vorfeldgruppen der
politischen Parteien wie Wirtschaftsrat, MIT, LIM, UnternehmensGrün etc. Was zeichnet
nu den BVMW im Unterschied zu diesen ganz besonders aus?
Dr. Ulrich Köppen: Es gibt in der Tat mehrere Besonderheiten des BVMW:
a. Wir sind branchenübergreifend tätig und nicht auf eine einzelne Branche fixiert.
Während der Unternehmer in den Fachverbänden auf gleichartig gelagerte Unternehmen
bis hin zu seiner direkten Konkurrenz stößt, ist dies bei uns eher ungewöhnlich. Im
Gegenteil: Dass Unternehmer und Unternehmen bei uns aus verschiedensten Branchen
zusammenkommen, ist sehr befruchtend und kann bis zur konkreten Geschäftsanbahnung
führen.
b. Der BVMW hält sich von parteipolitischen Ausrichtungen fern, weil wir uns
programmatisch nicht an Parteien, sondern an Sachthemen orientieren. Das Ergebnis der
Landtagwahlen hat gezeigt, dass Unternehmer aus dem liberalkonservativen Lager von
heute auf morgen von ihren Kontakten in die Landesregierung hinein abgeschnitten
waren – mit allen geschäftlichen Folgen. In diese Abhängigkeit wollen wir nicht
hineingezogen werden.
c. Unser Verband ist mit 155.000 Mitgliedern wohl der größte Mittelstandsverband in
Deutschland. Neben der Pflege und dem Ausbau unseres Netzwerkes äußern wir uns
politisch immer wieder in einer sehr dezidierten Weise. Sie können für den Mittelstand
nur etwas erreichen, wenn Sie in ständigem Kontakt mit den Entscheidern – also mit der
Landesregierung, mit den Ministerien und mit den Parlamentariern – stehen. Diese
erfolgreiche Arbeit wird durch unseren Präsidenten, Herrn Mario Ohoven, der zugleich
Präsident aller europäischen Mittelstandsverbände ist, noch verstärkt.
Diese Punkte zeigen – so denke ich –, dass wir ein sehr aktiver und einflussreicher
Mittelstandsverband sind.
Business-on.de: Wie sieht die Struktur Ihrer Mitgliedsunternehmen aus, wie ist Ihre
Zielgruppe gelagert?
Dr. Ulrich Köppen: Zu unseren Mitgliedern zählen sowohl Ein-Personen-
Unternehmerinnen und –unternehmer als auch der klassische Mittelstand mit
beispielsweise 20 oder 200 Mitarbeitern bis hin zu den großen Konzernen wie zum
Beispiel Daimler, Bosch, Porsche und Hewlett Packard. Gerade die Konzerne sind
hierzulande sehr stark mit dem Mittelstand verwoben, weshalb sie sich gerne auch als
Freunde des Mittelstandes präsentieren. Hierfür wird von diesen Konzernen die Plattform
des BVMW als besonders geeignet angesehen. Ein Kernbereich in der Mitgliedsstruktur
bildet neben dem produzierenden Gewerbe der Dienstleistungssektor, insbesondere IT-,
Ingenieur- und Personaldienstleistungen…
Business-on.de: … Sie verwenden gerade immer wieder den Begriff „Mittelstand“ – wie
definieren Sie bzw. Ihr Verband denn diesen Begriff?
Dr. Ulrich Köppen: Wir halten uns an die allgemein gültigen Zahlen: 97 Prozent aller
Firmen in Deutschland zählen zum Mittelstand, 90 Prozent der Mittelständler haben
maximal 20 Mitarbeiter. Wir haben aber auch größere Firmen als Mitglieder wie
beispielsweise einen der führenden Autovermieter Deutschlands namens Sixt. Dieses
Unternehmen ist inhabergeführt und daher mittelständisch geprägt. Der Mittelstand ist
also sehr breit angelegt.
ELENA und Erbschaftsteuer: Wie der BVMW konkret Einfluss ausübt
Business-on.de: Zurück zu Ihrem Verband, dem BVMW: Können Sie uns Beispiele dafür
nennen, was Sie für den Mittelstand konkret erreicht haben?
Dr. Ulrich Köppen: Es gibt aktuelle Beispiele unserer Erfolge: So die jetzt geplante
Abschaffung des elektronischen Erfassungssystemes ELENA, bei dem die Arbeitgeber ihre
monatlichen Entgeltdaten der Beschäftigten an eine Zentrale Speicherstelle leiten.
Dieses Verfahren kostete unnötige Zeit und war sehr bürokratisch! Die Beseitigung der
schlimmsten Auswüchse des Erbschaftsteuergesetzes ist ein weiterer Punkt, an dem wir
konkret mitgearbeitet haben. Ãœber 160.000 Unternehmen haben in den letzten Jahren
Deutschland den Rücken gekehrt, weil sie mit der betreffenden Politik in Deutschland
nicht mehr zufrieden waren.
Der BVMW zählt zu den zehn wichtigsten Wirtschaftsverbänden, die sich alljährlich zu
einer Besprechung über die wirtschaftlichen Aussichten mit der Bundesregierung treffen.
Dies dokumentiert den großen Einfluss, der auch mit der charismatischen Persönlichkeit
unseres Vorsitzenden, Herrn Ohoven, zusammenhängt.
Beim aktuellen Thema „Behebung des Fachkräftemangels“ hat die Bundesregierung
unlängst zu einer Fachtagung mit Vertretern der 14 wichtigsten Verbände Deutschlands
eingeladen – unter anderem hat daran auch unser Verband teilgenommen. Unsere
Aufgabe ist es dabei, die Bundesregierung, die Parteien aller Couleur und auch die
übrigen Interessenvertretungen über die Ansichten des Mittelstandes zu informieren und
immer wieder klarzumachen, dass der Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft
ist.
Konkretes Beispiel hierzu: Wenn die Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis
90/Die Grünen, Renate Künast, – wie jüngst geschehen – die Entfernung
gewinnunabhängiger Elemente aus der Gewerbesteuer fordert, entspricht das 1 zu 1
unserem Programm!
Business-on.de: Es gibt ja eine Partei, die immer wieder behauptet, die Partei des
Mittelstandes zu sein: die FDP. Wie ist das Verhältnis des BVMW zur FDP?
Dr. Ulrich Köppen: Das Verhältnis zur FDP, die sich in der Tat für Mittelstand und
Unternehmertum einsetzt, ist durchaus gut. Grundsätzlich klopfen wir aber alle im
Bundestag bzw. im Landtag vertretenen Parteien – einschließlich der Linken – daraufhin
ab, was sie für den Mittelstand tun. Wir lassen uns von keiner Partei vereinnahmen…
Business-on.de: … es geht Ihnen also ausschließlich um die Sache?
Dr. Ulrich Köppen: Ja!
Business-on.de: Nehmen wir einmal an, ich würde als Unternehmer eine BVMW-
Mitgliedschaft in Erwägung ziehen: welchen direkten unternehmerischen Nutzen und
konkreten Vorteile hätte ich als Mitglied?
Dr. Ulrich Köppen: Als Mitglied des BVMW können Sie geldwerte Vorteile für
verschiedene Produkte in Anspruch nehmen, zum Beispiel beim Einkauf von Bürobedarf
oder Autozubehör. Außerdem ist der BVMW eine Kooperation mit dem zertifizierten
Beraterverband IBWF eingegangen, bei dem unsere Mitglieder ihre Erstberatung, die bis
zu einem halben Tag dauern kann, kostenlos erhalten. Hinzu kommt, dass wir auf
unseren Veranstaltungen „soft facts“ anbieten, das sind Informationen, wie sich
Unternehmen erfolgreich am Markt bewegen und entwickeln können, d.h. direkt
anwendbare praxisnahe Tipps. Schließlich treffen wir uns auch zu Gesprächen mit
exklusiven Wirtschaftsführern, die wertvolle Einblicke in ihre Marketingstrategien geben.
Diese Anregungen sind höchst interessant und bringen dem Mittelständler, der im
betrieblichen Alltag leider oft zu wenige Ressourcen frei hat für strategische
Ãœberlegungen, sehr, sehr viel.
Übrigens: Im Gegensatz zu öffentlich-rechtlich strukturierten Verbänden und Institutionen
sind unsere Kreisgeschäftsführer, aber auch ich als Landesgeschäftsführer, allesamt
selbstständig und betreuen unsere Mitglieder höchstpersönlich. Wir wissen folglich, wo
unsere Mitglieder der Schuh drückt und wovon sie reden. So betätigen wir uns auch
immer wieder als Vermittler zwischen unseren Mitgliedern und ermöglichen somit
Kontakte, die sonst nicht zustande gekommen wären: Die Mitgliedschaft in unserem
Verband ist wie die Eintrittskarte in eine riesige Netzwerk-Welt mit ungeahnten
Kontaktmöglichkeiten.
Das gilt umso mehr, als dass der BVMW rund zwei Dutzend gut organisierter
Auslandsbüros hat – zum Beispiel in Brasilien und in China -, über die unsere Mitglieder
relativ kostengünstig geschäftliche Beziehungen in das jeweilige Land aufbauen können.
Diese Büros werden in der Regel von einheimischen oder von schon viele Jahre dort
lebenden Partnern geführt, was wichtig ist, um schnell und unkompliziert landestypische
Eigenheiten kennenzulernen.
BVMW: Trotz Aufschwung hat der Mittelstand in Baden-Württemberg
Finanzierungsprobleme
Business-on.de: Lassen Sie uns vom Ausland zurück nach Baden-Württemberg kommen:
Wo drückt den Mittelstand im „Ländle“ derzeit am meisten der Schuh?
Dr. Ulrich Köppen: Durch Befragung unserer Mitglieder wissen wir, dass ein Punkt hier
ganz klar im Vordergrund steht: Das ist die Frage der Liquidität und der Finanzierung von
Unternehmensprojekten. Entgegen der Auskunft vieler Banken und auch relativ
regierungsnaher Institutionen und Verbände ist die Kreditvergabe oft schwierig, denn
trotz einer im wesentlichen unveränderten betrieblichen Situation werden viele Betriebe
schlechter eingestuft als zuvor.
Dazu kommen zwei weitere Punkte: 1. Am Horizont sichtbar ist schon die Umsetzung von
„Basel III“, sprich: Die Banken müssen Kredite, die sie vergeben, künftig mit einer höheren
Eigenkapitalquote unterlegen. 2. Es ist durchaus möglich, dass in den USA demnächst
die Blase für geschäftliche Immobilien platzt, nachdem vor wenigen Jahren schon die
private Immobilienblase in den Vereinigten Staaten geplatzt war. Das diesbezügliche zur
Rückzahlung fällige Marktvolumen wird derzeit auf rund 8 Billionen US-Dollar geschätzt.
Weil die Immobilienpreise bis zu 40 Prozent gesunken sind, wird eine Reihe dieser
Kredite nicht bezahlt werden können – möglicherweise mit den Folgen, die wir vor
einigen Jahren bereits aus der Privatimmobilienblase kennengelernt haben. Insider
schätzen, dass etwa 30 Prozent dieser Kredite über deutsche Banken gelaufen sind. Die
Folge: Wegen dieser Kreditausfälle werden inländische Kredite teurer und die Konjunktur
wird gebremst…
Daher appelliere ich an die mittelständische Wirtschaft: Treffen Sie schon jetzt Vorsorge
dafür, dass Ihre Liquidität vor dem Hintergrund von Basel III und der US-Immobilienblase
bei abschwächender Konjunktur im Wesentlichen erhalten bleibt.
Business-on.de: Nun war aber die „alte“ Landesregierung diesbezüglich nicht ganz
untätig: Es gab den Kreditmediator Richard Drautz, der sich bei Bedarf vermittelnd
zwischen Bank und Unternehmen eingeschaltet hat und es gibt neuerdings den
sogenannten Mikrokredit, der auch ohne Eigenkapital und Bürgen vergeben werden
kann…
Dr. Ulrich Köppen: … gleichwohl gibt es Unternehmen, die sich hier schwer tun, weil sie
zum Beispiel mehr als 10.000 Euro benötigen. Metallverarbeitende Betriebe hatten in
der Krise 2008/2009 einen Auftragseinbruch bis zu 80 Prozent! Die Banken schauen sich
nun diese „schlechten“ Bilanzen der Unternehmen an und stoppen die Kreditvergabe,
obwohl die Aufträge wieder steigen. Banken müssten hier noch mehr das künftige
Entwicklungspotential der Unternehmen berücksichtigen statt rückwärtsgerichtete Bilanzen
zum Maßstab zu machen! Ich würde mir aber auch wünschen, dass unsere innovativen
Unternehmen im Land auch bei der Anwendung alternativer Methoden der Finanzierung
innovativer werden.
Grundsätzlich empfehlen wir aber den Unternehmen, mit ihrer Bank einen
kontinuierlichen und transparenten Informationsaustausch zu pflegen. Wahrhaftige,
vollständige und rechtzeitige Informationen sind für ein vertrauensvolles Verhältnis zur
Bank unabdingbar. Leider wird dies im Mittelstand immer noch nicht ausreichend genug
praktiziert!
BVMW zu Stuttgart 21: Baden-Württemberg braucht eine leistungsfähige, moderne und
nachhaltig orientierte Infrastruktur
Business-on.de: Seit kurzem haben wir in Baden-Württemberg eine neue, grün-rote
Landesregierung. Hatten Sie schon die Möglichkeit, Kontakt zu ihr aufzunehmen?
Dr. Ulrich Köppen: Ja. Wichtigstes Ergebnis unserer Gespräche ist, dass beide
Regierungsparteien die mittelstandsfreundliche Politik der Vorgängerregierung fortsetzen
möchten.
Business-on.de: Zwei wichtige Landesthemen sind Stuttgart 21 und die Bildungspolitik.
Wie ist die Position des BVMW in Baden-Württemberg zu dem großen Bahnprojekt
Stuttgart 21?
Dr. Ulrich Köppen: Der BVMW ist jenseits des tagespolitischen Hick-Hacks der Auffassung,
dass die exportorientierte Wirtschaft Baden-Württembergs eine leistungsfähige moderne,
aber auch nachhaltig orientierte Infrastruktur braucht. Es ist sehr bedauerlich, dass dieses
Ziel zumindest bei dem emotional aufgeheizten Projekt Stuttgart 21 scheitern könnte.
Politik wird sehr stark von Emotionen geleitet, was hier zu wenig beachtet worden ist.
Insbesondere den Befürwortern dieses Bahnprojekts muss man den Vorwurf machen, dass
sie die emotionale Tragweite nicht voll erkannt haben, was man an der offensichtlich
unzureichenden Kommunikationspolitik ausmachen kann. Mit den Detailfragen hat sich
der BVMW allerdings nicht beschäftigt und will dies auch nicht tun.
Köppen: Kleinere Schulklassen und mehr Lehrer sind sinnvoller als 6 Jahre Grundschule
Business-on.de: Welche Position vertritt der BVMW zur Schulpolitik in Baden-
Württemberg?
Dr. Ulrich Köppen: Insgesamt hat sich das Bildungssystem in Deutschland und Baden-
Württemberg bewährt, allerdings ist es an manchen Stellen nachzubessern. Dabei meine
ich nicht die Ergebnisse der PISA-Untersuchung, denen wir aus verschiedenen Gründen
skeptisch gegenüber stehen. Aber es ist zu beobachten, dass Deutschland vergleichsweise
wenig Nobelpreisträger vorweisen kann bzw. kluge Köpfe sehr häufig ins Ausland
abwandern. Hier muss man der Frage nachgehen, warum? Auch stellen wir fest, dass das
insgesamt konservative Bildungssystem immer noch als zu wenig durchlässig erachtet
wird. Hier wirkt leider noch das alte ständisch geprägte Schulsystem von Anfang des
20.Jahrhunderts nach.
In Baden-Württemberg stimmen uns die ersten bildungspolitischen Signale aus der
neuen Landesregierung insgesamt zuversichtlich – die neue Landesregierung will ihre
Reformvorhaben offensichtlich behutsam angehen.
Konkret will die neue Landesregierung die Grundschulzeit verlängern. Wäre es aber nicht
sinnvoller, die Schulklassen zu verkleinern und mehr Lehrer einzustellen? Damit gelänge
eine viel individuellere Förderung der Kinder, was letztlich der Schlüssel zum
Bildungserfolg ist. In Finnland beispielsweise gibt es deutlich kleinere Klassen, in denen
jeweils zwei Lehrer unterrichten. Die Frage einer individuelleren Förderung ist daher viel
sinnvoller als die Frage, ob Kinder bis zur vierten oder siebten Klasse zusammenbleiben
sollen.
Business-on.de: Kurz zum Abschluss-System der Hochschulbildung: Bachelor und Master
haben es im Vergleich zum Ingenieur immer noch schwer, weil sie in der
privatwirtschaftlichen Praxis keine so rechte Akzeptanz finden. Sollten wir nicht wieder zu
unserem altbewährten Ingenieur zurückkehren?
Dr. Ulrich Köppen: Es wurden ja kürzlich Änderungen bei den Studiengängen zu
Bachelor und Master beschlossen, die dazu beitragen sollen, dass die Vorbehalte der
Privatwirtschaft gegen diese Abschlüsse gemindert oder sogar beseitigt werden. Das war
sicherlich notwendig, wobei nicht vergessen werden darf, dass lebenslanges Lernen heute
für den beruflichen Erfolg unabdingbar ist. Wer sich auf seinem Abschluss auf Dauer
ausruht, wird keinen Erfolg haben – das war beim Ingenieur so und wird auch beim
Bachelor- oder Masterabschluss so sein.
Köppen: Dass Atomstrom billig ist, ist nur die halbe Wahrheit
Business-on.de: Wenn Sie drei politische Wünsche frei hätten: Was würden Sie sich von
Ministerpräsident Winfried Kretschmann und seinem Kabinett für die kommenden fünf
Jahre wünschen?
Dr. Ulrich Köppen: Insgesamt hoffe ich, dass die neue Landesregierung unter
Ministerpräsident Kretschmann keine radikalen, ideologisch geprägten Änderungen
durchsetzen wird. Die Gefahr sehe ich ernsthaft auch nicht, weil Herr Kretschmann aus
meiner Sicht ein wertkonservativ geprägter und verantwortungsbewusster Mensch ist.
Zweitens gehe ich – trotz der missverständlichen Äußerungen von Herrn Kretschmann –
davon aus, dass die neue Landesregierung an der Seite der Automobilindustrie,
gemeinsam mit der Automobilindustrie den Wandel zu den noch umweltfreundlicheren
Fortbewegungsmitteln aktiv mit betreiben wird. In Baden-Württemberg wurde das Auto
erfunden, in Baden-Württemberg sollten auch die modernsten und umweltfreundlichsten
Autos gebaut werden! Drittens wünsche ich mir eine Politik, die zum Ziel hat, Energie
bezahlbar zu halten, deren Gewinnung aber auch ökologisch nachhaltiger zu gestalten.
Übrigens: Die Atomenergie ist bei weitem nicht so günstig wie ihr Abgabepreis glauben
machen könnte. Denn in diesem Preis sind die Kosten für die Endlagerung des
Atommülls noch gar nicht inbegriffen! Die grün-rote Landesregierung sollte einen fairen
Wettbewerb der verschiedenen Energien ermöglichen, denn nur der Wettbewerb führt
letztlich zu marktgerechten, bezahlbaren Preisen. Das bedeutet auch, dass wir weg
kommen müssen von einem Markt, der von wenigen Energieanbietern dominiert wird.
Schließlich sind die Menschen gegenüber der Umwelt sehr viel sensibler geworden:
Produkte, die ökologisch nachhaltig erstellt werden, haben heute schon einen
Marktvorteil gegenüber herkömmlichen Produkten.
Business-on.de: Gestatten Sie eine persönliche Frage zum Schluss: Wenn Sie drei
persönliche Wünsche frei hätten, welche wären dies?
Dr. Ulrich Köppen: Wie viele Menschen, so wünsche ich mir – auch wenn es utopisch
klingen mag – zu allererst die Abwesenheit von Krieg. Für mich selber wünsche ich mir
private Zufriedenheit, was ausdrücklich den beruflichen Bereich mit einschließt. Und
drittens würde ich wieder mehr Zeit haben wollen, um Klavier zu spielen. Dazu komme
ich leider viel zu wenig, was ich sehr bedaure!
Business-on.de: Herr Dr. Köppen, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Dr. Ulrich Köppen wurde im Jahr 1952 in Frankfurt/Oder geboren und studierte in den
1970er Jahren an der Universität Münster, wo als im Jahr 1980 als Dr. phil. promovierte.
Nach einer Ausbildung als Redakteur bei der „Glocke“ im Kreis Warendorf kam Dr. Köppen
im Jahr 1983 nach Baden-Württemberg, wo er bei der Kreiszeitung Böblinger Bote
zunächst als Redakteur und später bis 2002 als Chef vom Dienst tätig war. Danach betrieb
er bis zum Jahr 2007 ein eigenes Redaktionsbüro. Im Jahr 2007 wurde er
Landespressesprecher Baden-Württemberg des Bundesverbandes mittelständische
Wirtschaft (BVMW), im Jahr 2010 übernahm er zusätzlich die Funktion des
Landesgeschäftsführers des BVMW.