
Lange war Zeitarbeit für Unternehmen das Mittel der Wahl, wenn es um kurzfristig
auftretende Auftragsspitzen oder Personalengpässe ging. Heute können
Unternehmen ihre Personalengpässe selbst mit Zeitarbeit nicht mehr verlässlich
kompensieren. Zudem ist Arbeitnehmerüberlassung, gerade für Unternehmen des
Gesundheits- und Medizinbereichs, in den vergangenen Jahren immer teurer
geworden.
Nicolai Kranz, Geschäftsführer und Gründer von GigWork, will dieses Problem lösen.
GigWork Bonn ist eine deutschlandweit einzigartige digitale Plattform, die gezielt
Mitarbeiter/innen für eine befristete Festanstellung vermittelt. Dabei funktioniert
GigWork ähnlich wie Airbnb – nur, dass Menschen hier nicht ihre Wohnung, sondern
ihre Arbeitskraft für einen bestimmten Zeitraum (GigJob) zur Verfügung stellen.
GigWork ist die erste deutsche Onlineplattform für befristete Beschäftigungsverhältnisse,
die Angebot und Nachfrage komfortabel zusammenbringt und dadurch
eine interessante Alternative zur Zeitarbeit bietet.
New Work via GigWork – eine Win-win-Situation für Arbeitgeber und
Arbeitnehmer
Die Vorteile für Arbeitgeber liegen auf der Hand: erheblich geringere Kosten im
Vergleich zur Zeitarbeit, Unabhängigkeit von Personaldienstleistern sowie die
Ansprache neuer Bewerberzielgruppen, für die Zeitarbeit – aus welchen Gründen auch
immer – keine Option ist. Arbeitnehmer profitieren von einer zeitlich befristeten
Festanstellung bei dem Unternehmen, in dem sie arbeiten, und von einem höheren Lohn, den Arbeitgeber Gig-Jobbern im Vergleich zur Stammbelegschaft als Ausgleich
für ihre Flexibilität und ihr Risiko zahlen (Flexiprämie).
GigWork startet im Januar 2019 zunächst in der Gesundheits- und
Medizinbranche
„Aktuell sind wir in der Betaphase; zum Jahreswechsel soll es losgehen“, erklärte
Kranz. Die Plattform startet zunächst im Gesundheits- und Medizinbereich und spricht
unter anderem Ärzte und Pflegekräfte an. „In unserem MVP, dem ,minimal funktionsfähigen
Produkt‘, suchten bereits diverse Kliniken kurzfristige Unterstützung in Form
von OP-Assistenten, Krankenpflegern oder auch studentischen Aushilfskräften für
eine Anstellungsdauer zwischen einem und sechs Monaten, wobei auch kürzere oder
längere Arbeitsverhältnisse über GigWork abbildbar sind“, so Kranz.
In den USA setzen Gig-Work-Plattformen schon mehr als eine Milliarde Euro
um
Ähnliche Plattformen gibt es bereits im angloamerikanischen Raum: Upwork
beispielsweise generiert über die Vermittlung von Freelancern in den USA einen
Umsatz von mehr als 1 Mrd. Euro. Und in Großbritannien arbeiten über eine Million
Menschen ausschließlich via GigJobs. GigWork, wie es in jetzt in Deutschland zum
Einsatz kommen soll, unterscheidet sich von den englischsprachigen Beispielen
dadurch, dass keine Freelancer, sondern ausschließlich befristete Anstellungsverhältnisse
vermittelt werden – auch, um das Risiko der Scheinselbstständigkeit
auszuschließen und die Sozialversicherung zu stärken. Über GigWork vermittelte
Mitarbeiter/innen sind auch keine Zeitarbeiter/innen, sie werden nicht entliehen,
sondern beim Arbeitgeber befristet angestellt. Die Verantwortung für Qualifikation,
Dokumentation und bedarfsgerechte Zuordnung liegt, wie bei jedem Anstellungsverhältnis,
beim Arbeitgeber.
Erhebliche Kosteneinsparungen und höhere Löhne gegenüber der Zeitarbeit
möglich
Die mögliche Kostenersparnis liegt zwischen 30 und 50 Prozent gegenüber der
klassischen Zeitarbeit. Arbeitnehmer können mit ihren Arbeitgebern einen um 20 bis
40 Prozent höheren Stundenlohn vereinbaren. Für die Gehaltsverhandlungen will
GigWork künftig Empfehlungen abgeben, um eine digitale Mediationsfunktion zu
übernehmen. Auf Wunsch sollen die Personalabteilungen durch GigWork zudem auch mittels Musterarbeitsverträgen, einer Arbeitsrechthotline zur Prüfung von
Befristungsgründen und im Bereich Payrollabwicklung entlastet werden.
NRW-Minister Pinkwart: „Potenzial für eine arbeitsmarktpolitische Revolution“
Gewerkschaften befürchteten zunächst, dass über GigWork prekären
Beschäftigungsverhältnissen Vorschub geleistet wird, begrüßten aber die Stärkung
der Direktanstellung, was der Onlineplattform auch politische Unterstützung einbringt.
So testierte zum Beispiel der nordrhein-westfälische Minister für Wirtschaft,
Innovation, Digitalisierung und Energie, Prof. Dr. Andreas Pinkwart, GigWork das
„Potenzial für eine arbeitsmarktpolitische Revolution“.
Der verstorbene Paracelsus- und frühere Sana-Chef Prof. Michael Philippi sah in
GigWork zudem eine vielversprechende Möglichkeit, „Pflegekräfte zu reaktivieren, die
sich aus ihrem Beruf verabschiedet haben“. Das gelingt, weil GigWork als Plattform
zur Verteilung von Arbeitskraft fungiert, auf der Bewerber vollständig frei entscheiden
können, für wen sie wann, wo, wie lange und zu welchen Konditionen arbeiten
möchten.
„Mit unserem Start-up möchten wir nicht nur Personalengpässe in Unternehmen
schließen, sondern letztlich eine neue, flexible Form der Arbeit schaffen.
Selbstbestimmtheit gibt es nun nicht mehr nur für Freelancer oder Zeitarbeiter,
sondern mit GigWork auch für Angestellte. Die Zukunft der Jobvermittlung ist digital.
GigWork ermöglicht Menschen, die beruflich außerhalb der klassischen
Vollzeitbeschäftigung agieren, genauso wie Arbeitsuchenden eine Teilhabe am
Arbeitsleben, Sicherheit und Wahlfreiheit“, erklärt Kranz.