Baukonjunktur im zweiten Quartal 2010: Baunachfrage verhalten – Auftragseingänge lediglich um 0,5 % gestiegen – Öffentliche Baunachfrage verliert an Kraft

Während sich andere Branchen über zweistellige
Zuwachsraten freuen können, läuft die konjunkturelle Entwicklung in
der deutschen Bauwirtschaft eher verhalten. Wie der Hauptverband der
Deutschen Bauindustrie in der neuesten Ausgabe seines Aktuellen
Zahlenbildes mitteilt, ist der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im
zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal nur um nominal 0,5
% gestiegen (Juni: + 0,7 %). Es ist lediglich der guten
Auftragsentwicklung im 1. Quartal zu verdanken, dass die Unternehmen
das 1. Halbjahr noch mit einem Auftragsplus von 4,2 % abschließen
konnten. Der Hauptverband führt dies darauf zurück, dass die
öffentliche Baunachfrage schlechter gelaufen sei als es die
Konjunkturprogramme hätten erwarten lassen.

Die Umsätze haben sich im zweiten Quartal noch nicht von dem
witterungsbedingten Einbruch zu Jahresanfang erholt: Der
baugewerbliche Umsatz lag sogar um nominal 0,2 % unter dem Niveau des
zweiten Quartals 2009. Allerdings verzeichneten die Baubetriebe im
Juni erstmals seit März des vergangenen Jahres wieder ein Umsatzplus
– und zwar von 2,7 %. Für das 1. Halbjahr ergibt sich damit aber
immer noch ein Umsatzminus von 6,9 %.

Als enttäuschend wertet der Hauptverband die öffentliche
Baunachfrage: Die Auftragseingänge lagen im zweiten Quartal um 7,9 %
unter dem Niveau des Vorjahresquartals. Auch die Umsätze blieben
hinter den Erwartungen zurück: Die Bauunternehmen verzeichneten
lediglich einen leichten Zuwachs von 1,5 %. Damit ergibt sich für das
1. Halbjahr im Öffentlichen Bau ein Auftrags- bzw. Umsatzminus von
1,5 % bzw. 3,2 %. Der Hauptverband glaubt, dass viele Städte und
Gemeinden ihre Investitionspläne vor dem Hintergrund der angespannten
kommunalen Finanzsituation zurückgenommen haben. Angesichts der
weiterhin bestehenden Risiken im Wirtschaftsbau komme der Rückzug der
öffentlichen Auftraggeber aber zu früh. Er appelliert deshalb an die
Kommunen, ihre Investitionszurückhaltung aufzugeben.

Erfreulich ist dagegen, dass der von der Wirtschaftskrise
besonders getroffene Wirtschaftsbau in der gesamtwirtschaftlichen
Erholungsphase schneller angesprungen ist als erwartet: Der
Auftragseingang nahm im zweiten Quartal um nominal 7,8 % zu
(Jan.-Jun.: 9,0 %). Die Bauunternehmen profitierten dabei von der
verbesserten Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe. In der
Produktion ist dieser Nachfrageimpuls aber noch nicht angekommen: Die
Umsätze lagen in den Monaten April bis Juni um 6,1 % unter dem Wert
des vergleichbaren Vorjahreszeitraums (Jan.-Jun.: – 13,6 %). Für den
Hauptverband steht deshalb fest, dass der Wirtschaftsbau noch nicht
„über dem Berg“ ist: Dafür spreche auch, dass der Wert der
Baugenehmigungen nichtöffentlicher Bauherren in den ersten sechs
Monaten um 19,6 % zurückgegangen ist.

Dagegen löst sich der Wohnungsbau langsam, aber sicher von der
Talsohle: Im zweiten Quartal konnten die Unternehmen ein Auftragsplus
von nominal 7,6 % verbuchen. Der Erholungsprozess schlug sich bereits
in den Umsätzen nieder, die um 5,1 % gestiegen sind. Für das erste
Halbjahr errechnet sich damit für den Wohnungsbau ein Auftragszuwachs
von 8,9 % (Umsatz: – 1,8 %).

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