In Deutschland werden immer weniger Menschen mit
neuem Zahnersatz versorgt. In den Jahren 2014 bis 2017 ging der
Anteil der Versicherten ab 20 Jahren, die Prothesen, Brücken oder
Zahnkronen bekamen, um acht Prozent zurück. Auch die Zahl der Fälle
sank von 5,31 auf 4,96 Millionen. Zu diesem Ergebnis kommt der heute
veröffentlichte neue Zahnreport der BARMER in seinem Schwerpunktteil.
„Geringere Fallzahlen bei Zahnersatz sind der besseren Mundgesundheit
in Deutschland zu verdanken. Unser Report zeigt jedoch, dass die
Inanspruchnahme der Regelversorgung als Referenzversorgung stetig
sinkt. Es ist an der Zeit, dass der Gemeinsame Bundesausschuss die
Regelversorgung erneut überprüft und an die Entwicklung der
Zahnmedizin anpasst, damit gesetzlich Versicherte am
zahnmedizinischen Fortschritt teilhaben können“, fordert Prof. Dr.
Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER. Das würde vor
allem den Patientinnen und Patienten helfen, die eine zeitgemäße
Grundlage für ihre Wahl zwischen den Versorgungsarten und ihren
unterschiedlichen Eigenanteilen bräuchten. Zuletzt hatte es eine
zahnmedizinische Überprüfung im Jahr 2013 gegeben.
Regelversorgung zweitwichtigster Ausgabenblock
Trotz sinkender Inanspruchnahme stiegen laut Report die Ausgaben
für Zahnersatz in den drei Versorgungsarten. Bei der Regelversorgung
fiel der Zuwachs mit 11,3 Prozent in den Jahren 2012 bis 2017 am
geringsten aus. Am stärksten legte mit 16,5 Prozent die gleichartige
Versorgung zu, die sich vom Standard der Regelversorgung nur in
Feinheiten unterscheidet. Für andersartige Versorgungen mit ihren
erheblichen Unterschieden zur Regelversorgung stiegen die Ausgaben
allein in den Jahren 2014 bis 2017 um mehr als elf Prozent. Deutlich
sichtbar wird die schwindende Bedeutung der Regelversorgung bei einem
Blick auf den Anteil der Versorgungsarten an den Gesamtausgaben. Den
größten Block machte im Jahr 2017 die gleichartige Versorgung mit 4,3
Milliarden Euro aus. Die Regelversorgung kam auf 2,37 Milliarden
Euro. Den geringsten Anteil hatte mit 1,28 Milliarden Euro die
andersartige Versorgung. Im Durchschnitt gaben die Krankenkassen je
neu versorgtem Versicherten im Jahr 2017 knapp 1.524 Euro aus, wobei
die Ausgaben für Frauen mit 1.551 Euro höher lagen als die für Männer
mit 1.495 Euro. Hinzu kamen Eigenanteile von durchschnittlich 879
Euro. Auch hier lagen die Frauen mit 908 Euro höher als die Männer,
die 849 Euro selber aufwendeten.
Regelversorgung überzeugt bei Haltbarkeit
Der Report belegt nach Ansicht seines Chefautoren Prof. Dr.
Michael Walter vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden,
dass die Regelversorgung vor allem für diejenigen die richtige Wahl
ist, die Haltbarkeit in den Vordergrund stellen und die Kosten
begrenzen wollen. „Die Regelversorgung bewährt sich bei Zahnkronen
und Zahnersatz auch im Vergleich zu gleichartigen und andersartigen
Versorgungen gut“, betont Walter. Zahnkronen und festsitzende Brücken
sind besonders haltbar. Die Autoren des Reports hatten untersucht,
wie gut die Regelversorgung gegenüber anderen Versorgungsarten
abschneidet. Für ein differenziertes Bild der Inanspruchnahme,
Ausgaben und Nutzungsdauer von Zahnersatz wurden Daten der
vertragszahnärztlichen Versorgung von 7,25 Millionen
BARMER-Versicherten analysiert und auf die Gesamtbevölkerung der
Bundesrepublik Deutschland hochgerechnet. „Die Regelversorgung mit
Prothese ohne Implantate weist lediglich in Fällen, in denen nur noch
wenige oder gar keine Zähne mehr da sind, eine geringere Haltbarkeit
gegenüber der andersartigen Versorgung auf, bei der die Prothese auf
Implantaten befestigt wird. In dieser Klasse von Befunden hat noch
keine wissenschaftliche Überprüfung der Regelversorgung durch den
G-BA stattgefunden. Dies wäre aber sinnvoll“, unterstützt Walter die
Forderung von BARMER-Chef Straub. „Ohne dieser Ãœberprüfung
vorzugreifen, gibt es klare Belege dafür, dass vor allem Patientinnen
und Patienten mit zahnlosem Unterkiefer von einer auf zwei
Implantaten gestützten Zahnersatzversorgung deutlich profitieren
würden“, so Walter.
Das Pressematerial und den kompletten Report finden Sie unter
www.barmer.de/p009345.
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