
Führungskräfte sollen authentisch sein. „Wird da nicht ein überzogenes Echtheits-Postulat als Führungsideal glorifiziert?“, fragt der Führungskräfte-Berater Rolf Dindorf. „Besteht wirklich das Interesse daran die Führungskraft mit allen menschlichen Stärken und Schwächen authentisch zu erleben?“
Innovativ und nicht Mainstream soll die moderne Führungskraft sein. Stets beherrscht, immer fair, frei von jeglichen Fehltritten und ein guter Umgangston charakterisiert die ideale Führungskraft. Eine harte Nuss für Choleriker, Introvertierte und nicht dem Ideal authentischer Führung entsprechende Führungskräfte.
Denn die genannten Anforderungen sprechen nur die positiven Seiten an. Dabei hat jeder Mensch – ob Vorgesetzter oder Mitarbeiter – auch Schattenseiten. Die aber sollen dann doch bitte schön nicht an den Tag gelegt werden. State oft he Art: „Authentische Führung ohne menschliche Fehler“, kritisiert der Kaiserslauterer Führungskräftetrainer Rolf Dindorf den offenen Widerspruch.
„Wäre es nicht sinnvoller von überzogenen Erwartungshaltungen abzurücken und realistische Anforderungen zu stellen?“, so Dindorf. Wie wäre es denn mit Agilität, Verlässlichkeit, Sinnstiftung und Geradlinigkeit?
Die Qualität von Führung und Arbeitskultur in der VUCA-Welt (Volatile, Uncertain, Complex, Ambigue) hängt weniger von überzogenen Authentizität denn von der Verabschiedung der Feldherrnpose ab.
Die Industrie 4.0 wird dazu führen, dass Führungskräfte im Mittelstand Spezialisten führen, deren Fachwissen sie nicht oder nur noch bedingt beurteilen können. Nur durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit lässt sich der Unternehmenserfolg sicherstellen.
Damit die heutige, anspruchsvolle Mitarbeitergeneration angesprochen wird gehört der Aufbau einer Vertrauenskultur zum Kern von Führung. Dies gelingt durch Vertrauensneigung, Integrität, Sinn, mitarbeiterorientiertes Führungsverhalten und manchmal einer Prise Humor.