Flucht als Versteckspiel – diese Metapher steht im Mittelpunkt des Werks von Filmemacher David Muñoz, Goya-Preisträger 2010. Der Terror des Krieges und ein ständiger Überlebenskampf prägen den Alltag der über zehn Millionen Menschen, die im Laufe des Syrien-Konflikts aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Auf mehreren Erzählebenen porträtiert der aus dem spanischen Malaga stammende Muñoz das Leben in einem syrischen Flüchtlingslager im Libanon.
„Seit vier Jahren liegt mein Leben in Trümmern. Früher führten wir ein ganz normales Leben, gingen einkaufen, spazieren. Dann kamen der Krieg und die Bomben… Mein Name ist Fatouma Al Hussein. Das ist meine Geschichte.“
Das 2014 gemeinsam von David Muñoz und Aktion gegen den Hunger mithilfe von Fördergeldern der Cooperación Española (AECID) realisierte Filmprojekt unternimmt den Versuch, neue, ungewohnte Blickwinkel auf das Schicksal der syrischen Flüchtlinge zu werfen. Bisweilen verschwimmen dabei die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Eine offene Erzählstruktur und die direkte Einbeziehung der Vertriebenen charakterisieren den Ansatz von Muñoz, der das Kriegsleid abseits der Schreckenszahlen spürbar werden lässt, die uns tagtäglich durch die Medien erreichen.
Auf der 65. Berlinale feiert der Film er sein internationales Debüt und wird in der Kategorie Berlinale Shorts gegen 26 andere Kurzfilme aus 18 Ländern antreten.
Zehn Millionen Leben im Ausnahmezustand
Laut Schätzungen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen wurden seit Beginn des Konflikts rund zehn Millionen Syrerinnen und Syrer aus ihrer Heimat vertrieben, fast die Hälfte davon sind Kinder. Drei Millionen Flüchtlinge wurden durch die Nachbarstaaten Syriens aufgenommen. Ihr Leben befindet sich in rechtlicher, finanzieller und sozialer Hinsicht in der Schwebe.
Libanon, das neben der Türkei die größten Flüchtlingszuströme verzeichnete, hat bereits mehr als eine Million Kriegsopfer aufgenommen – das entspricht etwa einem Viertel der Bevölkerungszahl. Nicht zuletzt deshalb spielt der Kurzfilm im Bekáa-Tal im Osten des Libanon. Dort lebt fast ein Drittel der Flüchtlinge in Notunterkünften, auf den Feldern libanesischer Bauern oder in leer stehenden Bauruinen.
„Wir waren schockiert von den Zuständen in den Flüchtlingslagern. Den Menschen fehlt es an allem. Sie sind emotional und physisch entwurzelt und wurden gewaltsam aus ihrem gewohnten Lebensumfeld vertrieben“, schildert Muñoz die Eindrücke seines Teams.
Aktion gegen den Hunger ist in Syrien, Jordanien sowie im Irak und im Libanon tätig, um Hilfe für Millionen syrische Flüchtlinge und vertriebene Irakerinnen und Iraker zu leisten. 2014 versorgte die Organisation allein im Libanon 290.000 Syrerinnen und Syrer mit Wasser, Medikamenten, Nahrungsmitteln und lebenswichtiger Ausrüstung.
Kurze Filmografie von David Muñoz
David Muñoz ist Drehbuchschreiber, Regisseur und Produzent zahlreicher Dokumentar- und Spielfilme, die auf internationalen Filmfestivals mit über 100 Preisen ausgezeichnet worden sind. 2010 wurde sein Werk FLORES DE RUANDA als bester spanischer Dokumentar-Kurzfilm mit dem renommierten Goya Preis ausgezeichnet und zudem auf dem Internationalen Filmfestival Thessaloniki mit dem Publikumspreis geehrt. Sein Film LA BROMA INFINITA erhielt den Preis der Jury als bester Dokumentar-Kurzfilm beim Al-Jazeera International Documentary Film Festival 2011. OTRA NOCHE EN LA TIERRA wurde unter anderem beim 15. Internationalen Filmfestival Malaga als zweitbester Dokumentarfilm ausgezeichnet, mit dem FIPRESCI-Preis des DOK Leipzig und dem japanischen NHK TV President–s Award bedacht. Sein fiktionaler Kurzfilm A PROPÓSITO DE NDUGU (Ãœber Ndugu) lief im offiziellen Programm der 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin und gewann den Preis als bester andalusischer Kurzfilm auf dem zwölften Internationalen Kurzfilmfestival „AlmerÃa en Corto“. Sein neuer Kurzfilm EL JUEGO DEL ESCONDITE (Versteckspiel) wird dem internationalen Publikum auf der 65. Berlinale vorgestellt.