Altbundeskanzler Helmut Schmidt ist enttäuscht von
Europas Spitzenpolitikern. Momentan sei Europa führungslos. In der
NDR-Dokumentation „Steinbrücks Blick in den Abgrund – Macht und
Ohnmacht eines Krisenmanagers“ sagt Schmidt wörtlich: „Es ist im
Augenblick keine Führungsperson da. Das ist eine schlimmere
Situation, als wir sie jemals in 60 Jahren der europäischen
Integration erlebt haben.“ Helmut Schmidt ist tief besorgt über den
Zustand der Europäischen Union.
Die Äußerungen des Altkanzlers fielen in einem Gespräch mit dem
ehemaligen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, das Autor Stephan
Lamby exklusiv für die Dokumentation führte. Mit harten Worten
beklagte Schmidt auch die Erweiterung der Europäischen Union: „In der
Maastrichter-Konferenz waren wir zwölf Mitgliedsstaaten. Dann wurden
wir 15 und dann wurden wir 20 und 26 und 27. Das ist alles Blödsinn.“
In Anspielung auf die neuen EU-Mitglieder urteilte er: „Es war
richtig, ihnen psychischen Rückhalt zu geben. Dafür hätte die
NATO(-Mitgliedschaft) ausgereicht, das hätte auch die Amerikaner
befriedigt. Aber sie gleichzeitig in die EU aufzunehmen, ohne die
Spielregeln in der EU diesem Riesenverein entsprechend anzupassen,
das war ein katastrophaler Fehler!“
Helmut Schmidt spürt in der Bevölkerung eine Verachtung gegenüber
der politischen Klasse. Auf den Hinweis von Peer Steinbrück: „Einige
Politiker genießen erst dann Wertschätzung, wenn sie außer Dienst
sind“, antwortete Helmut Schmidt: „Ja, das gilt für Richard von
Weizsäcker und für mich. Das hängt aber nur damit zusammen, dass die
Deutschen gegenwärtig mit ihrer Führung nicht zufrieden sind. Dann
konzentrieren sie sich eben auf zwei Greise.“
Den Film „Steinbrücks Blick in den Abgrund – Macht und Ohnmacht
eines Krisenmanagers“ zeigt das Erste am Mittwoch, 4. August, um
22.45 Uhr.
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