Der Studiengang «B.A. Sustainable Pre-School and Peace Education» wurde am 7. Juli
2010 vom nationalen Akkreditierungsrat im Kosovo, der aus Hochschulexperten und
Akkreditierungsverantwortlichen aus der ganzen Welt besteht, für drei Jahre akkreditiert.
Das bedeutet, dass er ab dem 1. Oktober 2010 als staatlicher Studiengang unter dem
Dach der Pädagogischen Fakultät der Universität Prishtina angeboten wird. Der
berufsbegleitende sechsjährige Studiengang (mit 240 ECTS-Credits, d.h. äquivalent zu
einem vierjährigen Ganztagesstudium) ist praxisorientiert. Er vermittelt eine innovative
Kindergartenpädagogik, die der speziellen Nachkriegs- und gesellschaftlichen
Umbruchssituation im Kosovo Rechnung trägt. Die nationale Akkreditierungsagentur
Kosovo (KAA Kosovan Accreditation Agency) hat diesen Entscheid gefällt, nachdem eine
externe Überprüfung durch die Pädagogische Hochschule des Kantons St.Gallen
(University of Teacher Education St.Gallen) vorgenommen wurde. In einem detaillierten
Benchmarking Bericht wurde die vorgefundene Qualität des Studienganges mit analogen
restriktiven Schweizer Pädagogischen Hochschulkriterien verglichen. Der vorliegende
Expertenbericht hat dann nicht nur die unbedingte Akkreditierung empfohlen, sondern
auch zugleich angeraten, dieses Programm als nationales Pilotprogramm für die
akademische und praktische Ausbildung von Erziehern / Erzieherinnen für Kindergarten zu
benutzen.
Insgesamt wurden im Frühling und Sommer 2010 total 201 Akkreditierungsanträge an das
KAA gestellt. Davon wurden rund 150 dann bewilligt, jedoch die meisten mit Auflagen
versehen. Ausschliesslich 3 Studiengänge wurden dann unbedingt (d.h. ohne Auflagen)
für 3 Jahre akkreditiert, u.a. auch der vorliegende «B.A. Sustainable Pre-School and
Peace Education».
Kosovo besitzt eine sehr junge Bevölkerung: rund ein Drittel ist unter 15 Jahre alt. Das
Bildungssystem leidet immer noch unter den Folgen des Krieges. Vorschuleinrichtungen
gibt es erst wenige und dies vor allem in Städten. Gemäss Schätzungen kann nur jedes
vierte Kind einen öffentlichen Kindergarten besuchen. Ein neues Vorschulgesetz sieht
jedoch ein Kindergarten-Obligatorium ab dem Jahr 2011 vor. Vor diesem Hintergrund ist
die neue Ausbildungsmöglichkeit von grosser Bedeutung für das Land.
Der Akkreditierung des Studiengangs ging eine mehrjährige intensive Vorarbeit voraus. Die
Caritas Schweiz und die IPF Initiative für Praxisforschung (IPF-Multiversity) realisieren
zusammen mit der Caritas Luxemburg bereits seit 2002 Vorschulprojekte im Kosovo. Seit
acht Jahren läuft als Pilotprojekt der «Kindergarten Dielli» in Drenas, den 150 Kinder
besuchen. Wegen des grossen Interesses wurde das Projekt laufend auf jetzt 13
umliegende Dörfer ausgedehnt. Auch in 2 anderen Municipalities (Prizren und Gjakova)
wurden 11 Klassen eingerichtet. Im Rahmen dieser Pilotprojekte wurde ein
praxisorientiertes, berufsbegleitendes Ausbildungskonzept entwickelt. Dieses stellt die
Interessen des Kindes ins Zentrum, insbesondere auch dessen soziale und persönliche
Fähigkeiten. Als pädagogische Methoden sind Spiele, Geschichten, Singen und
Handwerken wichtig damit das Kind seinen Erfahrungsschatz erweitern kann. Auch
Elternarbeit, gewaltfreie Konfliktlösung und multiethnischer Unterricht gehören zum
Ausbildungskonzept.
Die Kooperation zwischen Caritas und IPF besteht seit 2002 und wurden im Januar 2010
bis Ende 2011 vertraglich verlängert. Die IPF zeichnete beim Aufbau des Bachelor-
Studiengangs verantwortlich für die akademische Leitung (Pädagogik,
Qualitätsmanagement, Praxisforschung sowie Benchmarking) und erstellte die
umfangreichen Studien- und Akkreditierungsunterlagen. Den neuen Bachelor-
Studiengang tragen neben der Caritas Schweiz und IPF die Caritas Luxemburg, die
örtliche kosovarische Gemeinde Drenas. Partnerschaftsprojekte im Forschungsbereich sind
mit Schweizer, Britischen, Deutschen und Amerikanischen Universitäten aufgebaut
worden. Im September 2010 ist eine Kosovarische Delegation bestehend aus
Akkreditierungsexperten und Regierungsverantwortlichen des Erziehungswesens Kosovo
in die Schweiz gereist und haben in Gesprächen mit den Schweizer Pädagogischen
Hochschulen / Caritas und IPF neue Zusammenarbeitsmöglichkeiten für
Studentenaustausch und Forschung besprochen.