Die hygienischen und sanitären
Bedingungen für die Migranten auf der italienischen Insel Lampedusa
sind nach Einschätzung der Mitarbeiter von ÄRZTE OHNE GRENZEN
inakzeptabel. Die Hilfsorganisation, die seit Mitte Februar
Neuankömmlinge betreut, fordert die italienischen Behörden auf, den
Migranten eine angemessene Unterstützung zukommen zu lassen.
Derzeit müssen sich am Hafen von Lampedusa 3.000 Personen 16
Toiletten teilen. Für sie stehen nur zwei Wassertanks bereit. Die
Behörden stellen lediglich eineinhalb Liter Wasser pro Tag und Person
zur Verfügung. Diese sanitären Bedingungen liegen weit unterhalb der
humanitären Standards, die pro Tag und Person 20 Liter Wasser sowie
eine Toilette für 20 Personen vorsehen. „Es ist kaum zu glauben, dass
das in Italien passiert – in einem G8-Land! Die Lebensbedingungen auf
der Insel sind schlimmer als jene in Flüchtlingslagern auf der ganzen
Welt, in denen ÄRZTE OHNE GRENZEN im Einsatz ist“ erklärt Kostas
Moschochoritis, Geschäftsführer der italienischen Sektion von ÄRZTE
OHNE GRENZEN.
Seit dem 14. Februar leistet ÄRZTE OHNE GRENZEN gemeinsam mit
lokalen Behörden medizinische Hilfe für ankommende Migranten und
Asylbewerber. Das medizinische Team betreibt eine mobile Klink, in
der sie Neuankömmlinge untersucht. Nach den Umwälzungen und den
gewaltsamen Zusammenstößen in der arabischen Welt sind über 18.000
Menschen auf Lampedusa gelandet.
Die italienische Regierung bringt die Migranten derzeit per Schiff
in Aufnahmelager in Apulien, Sizilien und anderen Regionen Italiens.
ÄRZTE OHNE GRENZEN ist über die hygienischen Bedingungen auf der
Insel und in den möglicherweise überfüllten Lagern besorgt. „Die
schlechten hygienischen Bedingungen können das Entstehen von
Infektionskrankheiten begünstigen. Für bessere Aufnahmebedingungen
und einen besseren Zugang zu medizinischer Behandlung in den Zentren
muss gesorgt werden“, erklärt Barbara Maccagno, die für die
medizinischen Projekte von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Italien
verantwortlich ist.
„Die Mehrheit der Migranten in den letzten Tagen waren Menschen,
die aus Tunesien kamen, aber wir haben auch Flüchtlinge aus Libyen
gesehen. Diese kommen ursprünglich aus Eritrea, Somalia, Gambia,
Nigeria und dem Sudan. Um diese Menschen sorgen wir uns ganz
besonders, denn sie haben eine längere und gefährlichere Überfahrt
hinter sich“, so Maccagno.
In den kommenden Tagen wird ÄRZTE OHNE GRENZEN mehr als 2.500
Hygiene-Kits mit Decken, Seife und Handtüchern an die obdachlosen
Migranten im Hafen verteilen. Ohne entsprechende sanitäre Anlagen ist
das aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Diese
Aufnahmebedingungen sind inakzeptabel und dürfen nicht andauern, denn
sie verletzen die Würde dieser Menschen“, erklärt Moschochoritis.
Der Einsatz von ÄRZTE OHNE GRENZEN auf Lampedusa wird aus privaten
Spenden finanziert. Die Organisation erhält dafür keine Gelder von
der italienischen Regierung. ÄRZTE OHNE GRENZEN war bereits von 2002
und 2009 auf Lampedusa tätig, um Migranten medizinische Hilfe zu
leisten.
Pressekontakt:
Weitere Informationen, Fotos und Vermittlung von Interviews: Stefan
Dold, Pressestelle, Tel.: 030 700 130 230, www.aerzte-ohne-grenzen.de