260 neugierige Zuhörer bei Vortrag mit Hirnforscher Dr. Wulf Bertram

260 neugierige Zuhörer bei Vortrag mit Hirnforscher Dr. Wulf Bertram

„Neugier ist der Docht in der Kerze des Lernens“ lautete der kurzweilige Vortrag des Neurologen und Psychotherapeuten, mit dem er die komplexen Vorgänge, die im menschlichen Gehirn beim Lernen ablaufen, für Laien verständlich machte. Für das Lernen selbst sei Neugierde eine optimale Voraussetzung, so Wulf Bertram. Allerdings berge sie auch Gefahren, wie sich schon in der antiken Mythologie bei der Sage von der Büchse der Pandora zeige.

Der Referent nahm die Zuhörer im voll besetzten Haus des Gastes mit auf eine Reise durch das menschliche Gehirn und erläuterte dabei den Weg des Lernens. Er erklärte die verschiedenen Hirnregionen mit ihren Funktionen und wie sie am besten zu aktivieren seien. Der Nucleus Accumbens etwa, den Bertram die „Frohnatur des Hirns“ nennt, sei das Belohnungszentrum, das nicht nur durch Schokolade, den Anblick eines attraktiven Menschen und bei Männern den Anblick eines Sportwagens aktiviert wird. Auch Lob und Erfolgserlebnisse lassen ein Glücksgefühl entstehen, weshalb Eltern und Lehrer mit Lob nicht sparsam umgehen sollten.

Durch Belohnungen und portionierte Lernmengen ist die Wahrscheinlichkeit das Gelernte zu erinnern und zu speichern um einiges höher. Belohnungen fördern somit den Lernprozess. Auch können Dinge sehr viel stärker behalten werden, wenn sie mit einem starken emotionalen Faktor verbunden sind. Geruchseindrücke sind das „emotionalisierendste, was wir überhaupt kennen“, weil die Nase direkt mit dem Gefühlszentrum verbunden ist.

Ob dabei aber nicht die Gefahr bestehe, dass die Belohnung immer größer werden muss, wollte eine Mutter bei der anschließenden Diskussion wissen. Der Neurologe ist jedoch der Meinung: „Der Zweck heiligt die Mittel“, und wenn das Lernen von Matheformeln durch eine Belohnung erleichtert würde, sei dies legitim – sie müsse freilich im Rahmen bleiben.

Dr. Wulf Bertram ist seit 1992 Geschäftsführer des Schattauer Verlags in Stuttgart, ist Autor, arbeitet als Psychotherapeut und ist leidenschaftlicher Jazzer. Seine letzten Werke schrieb er gemeinsam mit Dr. Manfred Spitzer. Hirnforschung für Neu(ro)gierige und Braintertainment sind gefragte und verständliche Bücher in die Welt von Geist und Hirn.