„Ich habe große Hochachtung vor dem Mut der
Menschen in der ehemaligen DDR. Ihre Entschlossenheit hat
entscheidend dazu beigetragen, dass die friedliche Revolution von
1989 bereits ein Jahr später zum Ende der deutschen Teilung führte“,
erläuterte Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen
Raiffeisenverbandes (DRV), bei der gemeinsamen Tagung mit der
Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu
Berlin. „Der Wille zur Freiheit war untrennbar verknüpft mit der
Herausforderung, sich innerhalb kürzester Zeit auf eine völlig andere
Staats- und Wirtschaftsordnung einzustellen. In der Land- und
Agrarwirtschaft waren die Systemunterschiede innerhalb Deutschlands
besonders ausgeprägt“, so Nüssel.
Von den ehemals rund 4.500 landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaften haben sich nach den Vorgaben des
Landwirtschaftsanpassungsgesetzes insgesamt 1.500 entschieden,
Landwirtschaft weiterhin kooperativ in der eG zu betreiben. Heute
sind mehr als 85 Prozent der Agrargenossenschaften in der
Raiffeisen-Organisation engagiert. Diese Unternehmen blicken auf eine
wechselvolle, aber aufstrebende 20jährige Geschichte zurück. Als
Zusammenschluss bäuerlicher Familien sind sie heute erfolgreich am
Markt tätig und bewirtschaften im Durchschnitt rund 1.800 ha; das
sind rund 27 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in
Ostdeutschland. Die Agrargenossenschaften übernehmen häufig in den
strukturschwachen ländlichen Räumen wichtige Aufgaben.
„Die vielfältigen Sozial- und Umweltleistungen, die weit über die
landwirtschaftliche Urproduktion hinaus gehen, können weiterhin nur
erbracht werden, wenn eine erneute Benachteiligung bei den
EU-Direktzahlungen im Konzept der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2013
verhindert wird. Ich halte daher eine Obergrenze/Degression nicht
vereinbar mit dem zukünftigen Selbstverständnis der Direktzahlungen.
Diese müssen vielmehr als wirtschaftliche Basisabsicherung in Zeiten
volatiler Märkte, als Beitrag zur Planungssicherheit auf den
landwirtschaftlichen Betrieben sowie als Ausgleich für die im
internationalen Vergleich hohen EU-Produktionsstandards und als
Honorierung von Naturschutzmaßnahmen verstanden werden“, so Nüssel.
Der DRV-Präsident ist davon überzeugt, dass angesichts der großen
Herausforderungen auf den globalisierten Agrarmärkten Kooperationen
in der Rechtsform der eG entscheidende Vorteile bieten. Denn
Agrargenossenschaften eröffnen zahlreichen Menschen die Möglichkeit,
weiterhin in der Landwirtschaft tätig zu sein, und sichern zugleich
eine breite Streuung von Eigentum an Grund und Boden. „Ich wünsche
mir, dass die eingetragene Genossenschaft als gleichberechtigte
Rechtsform für Kooperationen in der Landwirtschaft erkannt wird“, so
Nüssel.
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