Verein indi gen e.V. tagt auf HdWM-Campus: „Red Cloud“ von den Lakota-Sioux bei Management-Hochschule

Verein indi gen e.V. tagt auf HdWM-Campus: „Red Cloud“ von den Lakota-Sioux bei Management-Hochschule
Prof. Dr. U. Hochmuth, Ute Rühl, Red Cloud, Dagmar Fojkar, Prof. Dr. HR. Kaufmann, Dr. Stephan Götze
 

MANNHEIM. An der Hochschule der Wirtschaft für Management (HdWM) beschäftigt sich eine Gruppe Wissenschaftler damit, ein IT Bildungsportal für die wissenschaftlich fundierte Integration indigener Naturlehren in den Schulunterricht des Landes Baden-Württemberg auf den Weg zu bringen. Ein entsprechender Vorschlag an das Kultus-Ministerium und das Landesamt für Schulentwicklung wurde bereits mit ersten Unterrichtseinheiten in den neuen Bildungsplan Baden-Württemberg aufgenommen.

Zu diesem Thema tagte Ende Mai eine Arbeitsgruppe des Vereins indi gen e.V. auf dem Campus der HdWM in Mannheim. Aus den USA angereist ist der bekannte Vertreter des Lakota-Sioux-Stammes, Red Cloud, der sich um Ökologie im Allgemeinen und um die Verwendung „ökologisch-korrekter“ Baumaterialien im Besonderen einen Namen gemacht hat. Eingeladen hatte Dr. Stephan Götze, Vorsitzender des im Herbst 2015 gegründeten Vereins indi gen e.V.

Der Präsident der HdWM, Prof. Dr. Michael Nagy, bezog sich in seinem Beitrag darauf, dass rein wissenschaftlich-lineares Denken in Mustern und Lehrsätzen im Hochschulbetrieb schon heute am Ende sei. Eine Hochschule müsse neben festen Forschungs- und Lehrstrukturen zugleich eine Vision sowie ein Konzept zur Förderung der Kreativität bei Lehrkörper und Studentenschaft haben. Dies sei unerlässlich für eine moderne Hochschule, wie es die HdWM nun mal sei. Deshalb unterstütze man seitens der HdWM auch gerne die Ansätze des Vereins indi gen e.V.

Lernen von den Naturlehren der indigenen Völker – Mitgliederzahl des Vereins indi gen e.V. steigt

Dieser Verein wurde von Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Chief John Fire „Lame Deer“, Sprecher der indigenen Völker Nordamerikas und Thiemo Fojkar, Vorstandsvorsitzender des Internationalen Bundes (IB), ins Leben gerufen. Der Internationale Bund ist einer der großen freien Bildungsträger in Deutschland. Bundesweit zählt der IB rund 14.000 Beschäftigte und betreibt rund 700 Bildungseinrichtungen an 300 Standorten. Als Mehrheitsgesellschafter der HdWM sieht sich der IB auf besondere Weise mit dem Verein indi gen e.V. verbunden.

Die in Mannheim tagende Arbeitsgruppe wird auch unterstützt durch die WBS AG in Berlin, ein in der beruflichen Bildung tätiges Unternehmen. Mit ihren rund 800 Mitarbeitern mit mehr als 150 Standorten gehört die WBS TRAINING AG zu den führenden Anbietern in der beruflichen Weiterbildung in Deutschland und ist Marktführer im Bereich des Online Lernens.

Was ist dem Verein wichtig? Die Mitglieder von indi gen e.V. beschäftigen sich vorrangig mit Themen der indigenen Naturlehren auf allen Kontinenten, also nicht nur in Nordamerika. Es gelte, die indigene Sicht und das Erleben mit Natur zu verstehen. Und weiter: Indi gen missioniere nicht, im Gegenteil, jede gewaltfreie Weltanschauung, Denk- und Glaubensrichtung, sei willkommen. Der Erhalt der Schöpfung und der Mensch stehe im Mittelpunkt. Aktuell seien es die indigenen Völker Nordamerikas, die den neuen Brückenschlag zur Moderne suchen und offensiv anbieten. Ganz vorne mit dabei: Red Cloud und die Initiative indi gen e.V.

Auszeichnung von US-Präsident Barak Obama für Red Cloud – Anregungen aus der Kurpfalz

Red Cloud ist einer der Protagonisten, die das Zusammenspiel von Natur und Management-Methoden nicht nur ergründen, sondern auch umsetzen. Der sympathische Mann aus South Dakota wurde 2014 von Präsident Barack Obama als „White House Champion of Change“ ausgezeichnet. Bereits 2010 erhielt er den „Nuclear Free Future Award“. Weitere Auszeichnungen bekam Red Cloud für sein Engagement um die Produktion von ökologischen Bauelementen in den Reservationen der Lakota-Sioux.

Baumaterialien aus Hanf und die angewandte Solartechnik seien Innovationen, die er in Deutschland, und zwar hier in der Kurpfalz, Anfang der 2000er Jahre aufgriff und mit nach Hause nahm, so berichtet Red Cloud. Nach vielen Anfangsschwierigkeiten gelang es ihm, 380 Jobs zu schaffen und weitere 565 Lakota zukunftsfähig zu schulen, so dass diese nun die große Chance für eine positive künftige Entwicklung sehen.

Drei Säulen sollen die Zukunft des Stammes tragen: Sonne für Solartechnik, die Weiten der Prärie für den Anbau von Industriehanf und Wind zur Erzeugung von Windenergie. Diese Natur-Geschenke sind den Lakota-Sioux von ihrem einstmals so weiten Lebensraum geblieben. Hinzu kommt ihr originärer Zugang zur Natur, ihr Ur- und Geheimwissen über Pflanzen, Tiere und den Kosmos, der uns Europäern in Fragen der ökologischen Nachhaltigkeit völlig neue Perspektiven eröffnen kann.

Bionik im Management – kybernetisches Denken – Nachhaltigkeit

Bionik im Management und kybernetisches Denken in der Nachhaltigkeitsdiskussion sind Trends, die Alt und Neu verbinden. Sie entsprechen dem zyklischen und vernetzten Denken vieler Urvölker und beginnen nach und nach auch die Wirtschaft zu prägen. Zugleich beschreiben sie den Weg der indigenen Völker Nordamerikas in eine neue Zukunft.

Dazu Dagmar Fojkar in ihrem Diskussionsbeitrag zum Thema Nachhaltigkeit: „Das althergebrachte Sprichwort ,Aus alt mach` neu‘ wird jetzt erneut aktuell; wir müssen unser Wissen nur zeitgemäß updaten und sustainable-save machen, um die einzige Herberge zu bewahren, die wir alle gemeinsam haben – die Erde“!

Prof. Dr. Hans-Rüdiger Kaufmann, Studiengangleiter Management und Unternehmensführung an der HdWM, sagt: „Red Cloud gab uns ein beeindruckendes Beispiel für die Empathie und Spiritualität indigener Völker für ein Leben in Harmonie mit der Natur. Damit sind indigene Völker prädestiniert, uns einen wichtigen Reflektions-Input zu geben für die Entwicklung sozial und ökologisch verantwortlicher Strategien in unserer Globalisierungsära. Der kybernetische Charakter dieser Einstellung wird deutlich in Häuptling’s Seattle’s Zitat, demnach der Mensch nur ein Faden im Netz des Lebens ist und er jeder, einem dem Leben zugefügten Schaden eines Tages selbst erleiden wird“.

„Für mich war wichtig zu sehen, wie Red Cloud sein technologisches Wissen in Deutschland ausgebaut und an seine Stammesmitglieder übertragen hat, um deren Lebensqualität zu verbessern. Hier sehen wir, dass das gegenseitige voneinander lernen von großer Bedeutung ist für die jeweilige Kultur“, sagt Prof. Dr. Dolores Sanchez, an der HdWM für International Business und Interkulturelle Studien zuständig. Probleme wie Arbeitslosigkeit durch Wissenstransfer zu bekämpfen, sei dabei eine wichtige Zielsetzung. „Beindruckend war für mich auch, wie Red Cloud mit seiner Mission das Selbstvertrauen seiner Stammesmitglieder stärkt und so die Gemeinschaft in eine bessere Zukunft führen will“, so Sanchez-Bengoa weiter.

Red Cloud mit zwölf Events auf Europa-Tour: Partnersuche für Ökologische Nachhaltigkeit

Im Mai/Juni 2016 ist Red Cloud in Europas unterwegs, um für seine Projekte zu werben. Ziel sei es, die vielschichtige Arbeit im Lakota Reservat in Pine Ridge fortzusetzen. Dazu benötige er Investments auf den unterschiedlichsten Ebenen. Seine Erfahrungen der letzten Jahre fasst er so zusammen: „Es ist möglich, Lösungen aus der Krise zu finden, vorausgesetzt, wir besinnen uns auf das zurück, was wir verloren haben“. Aber auch für uns Europäer, die wir uns immer tiefer in aktuelle Krisen verstricken, hat der Lakota eine wichtige Botschaft in seinem Reisegepäck.

„Wenn wir die Erde wieder lieben und ehren und dieses ererbte Wissen mit dem Neuen verknüpfen, ist es möglich, uns neu auszurichten. Das ist der neue Weg, um die alten Wege zu ehren“, ist Henry Red Cloud überzeugt. Dies sei ein Ansatz, um – wie selbst Wirtschaftsweise in Deutschland fordern – die konservativen volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Definitionen zu erweitern, mit denen die Europäer wirtschaftliches Handeln definieren und damit gleichzeitig auch begrenzen.

Red Cloud trägt Adler-Feder des Unterzeichners der berühmten Verträge von Laramie 1868

Doch die vielleicht größte Ehre ist sein Kopfschmuck: es ist die Adlerfeder, die sein historischer Vorfahre und Ur-Urgroßvater, Häuptling Red Cloud, bei der Unterzeichnung der berühmten Verträge von Laramie 1868 trug und die an ihn weitergegeben wurde. Diese Verträge besagen, dass den Indianern ihr Land gehöre „so lange die Sonne scheint“.

Doch leider wurde kurze Zeit später in den Black Hills, eigentlich angestammtes Indianerland, Gold gefunden. Und so nahm das tragische Schicksal seinen Lauf: denn im Jahre 1877 wurde Crazy Horse, der letzte Häuptling eines frei lebenden Indianervolkes, der Lakota-Sioux, hinterrücks ermordet. Der Gang in die Reservationen war für den stolzen Stamm mir seinen legendären Führern unausweichlich geworden.

Was Crazy Horse und Red Cloud trennt und verbindet

Was verbindet Crazy Horse und Red Cloud? Cracy Horse war dafür bekannt, dass er wie kein anderer die alten Werte der Lakota-Sioux verteidigte und nicht preisgab – und Red Cloud, weil dieser den Weg zur Kooperationen ebnete, ohne die es heute noch schlechter um das Stammeswohl bestellt wäre.

Zur Erinnerung: Im Jahr 1877 hatte Edison das Grammophon zum Patent angemeldet, mit dem es erstmals möglich wurde, menschliche Stimmen technisch zu konservieren. Und im selben Jahr wurde den Lakota – bei Prügelstrafe – verboten, ihre Sprache zu sprechen. Geschweige denn ihre heiligen Gesänge anzustimmen, mit denen sie mit und in der Natur kommunizierten.

Ein weiteres Datum, das für Mensch und Natur einen Umbruch darstellte, war das Jahr 1859, denn in den USA wurde die erste Ölbohrung vorgenommen. Es war die Zeit, in der die Ursachen unserer ökologischen Probleme ihren Anfang nahmen. Erst nach den prophezeiten 100 dunklen Jahren wurde im Zuge des „Freedom of Religion Act“ den Lakota ab 1978 ihre Sprache wieder erlaubt. Und in dieser Zeit ist in Europa die Idee der Ökologie geboren worden.

Marktanalysen und Businesspläne bestimmen Wirtschaftsleben – Wo bleibt da die Ökologie?

Im modernen Wirtschaftsleben bestimmen Marktanalysen, Businesspläne, Organisationsentwicklung und Methoden des Diversity Managements darüber, ob und wie Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft geführt werden können. Mit dem Ansatz von Nachhaltigkeit wollen nun die teilnehmenden Wissenschaftler/innen ihre neu gewonnenen Freunde aus den USA unterstützen. Mit dieser Unterstützung sollen Spender und Investoren in aller Welt für die Projekte gewonnen werden. Das persönliche Einbringen der verantwortlichen Entscheider ist dabei wünschenswert.
Die Tagungs-Teilnehmer waren
Prof. Dr. Michael Nagy, Präsident der HdWM,
Dagmar Fojkar als Vertreterin von Thiemo Fojkar (Vorsitzender des Vorstandes Internationaler Bund),
Prof. Dr. Dolores Sanchez Bengoa, HdWM, Leitung International Business und Interkulturelle Studien,
Prof. Dr. Uwe Hochmuth, Leiter der Forschung der HdWM,
Prof. Dr. Hans-Rüdiger Kaufmann, Leiter Studiengang Management und Unternehmensführung,
Dr. Stephan Götze, Consultant und Dozent, Gründungsvorsitzender des indi gen e.V.,
Heiko Miedlich, Leiter der Projektentwicklung der WBS AG sowie
weitere Wissenschaftler, Theologen und Fachleute. Insgesamt haben 20 Teilnehmer am Diskurs mit Red Cloud teilgenommen.
Text: Franz Motzko