Die Suche nach der politischen Mitverantwortung
für das Weihnachtsmarkt-Attentat von Berlin ist auch ein Lehrstück
über den Wert von Gutachten. Zwei liegen inzwischen allein aus NRW
vor: Das erste hat im Januar die FDP vorgestellt, das zweite gestern
die Landesregierung. Beide erheben den Anspruch strikter Objektivität
und wissenschaftlicher Exaktheit. Und kommen doch zu gegenteiligen
Ergebnissen: Laut Oppositionsgutachten haben schludrige NRW-Behörden
das Attentat überhaupt erst ermöglicht. Laut Regierungsgutachten
haben sie alles richtig gemacht. Parallel untersucht auch noch ein
Untersuchungsausschuss dieselbe Frage. Schon jetzt ist absehbar:
Regierung und Opposition werden auch dort wieder zu entgegengesetzten
Einschätzungen kommen. Sollte die Politik sich das ganze Theater also
gleich sparen? Nein. Denn sie schuldet der Öffentlichkeit eine
Antwort auf die Frage nach den Lehren aus dem Fall Amri. Einen
Anspruch, dass diese Antwort leicht konsumierbar und widerspruchslos
sein muss, hat die Öffentlichkeit hingegen nicht.
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