Wegsehen und vertuschen – diese Strategie
verfolgte die katholische Kirche in den Fällen sexuellen Missbrauchs
von Kindern und Jugendlichen durch Priester. Nur die Kirche? Diese
Frage muss sich die Gesellschaft insgesamt stellen, wie jetzt die
erste Studie des Deutschen Jugendinstituts zu Verdachtsfällen von
Kindesmissbrauch an Schulen, in Internaten und Heimen zeigt. Danach
gehört die seelische und körperliche Schändung zum Alltag der Kinder;
fast wie Zähneputzen oder Haare kämmen. Rechnet man noch die
Dunkelziffer des Missbrauchs in den Familien hinzu, kann einem nur
noch Angst und Bange darüber werden, unter welchen seelischen Qualen
Kinder – wohl nicht nur in diesem Lande – heranwachsen. Dass Kinder
gequält, erniedrigt und beschämt werden, ist eine Schande für unsere
Gesellschaft, die sich zivilisiert nennt und gerne mit dem Finger auf
andere zeigt. Etwa nach Afrika, wo Heranwachsende als Kindersoldaten
missbraucht werden. Kinder sind ein Gottesgeschenk, verdienen Liebe
und Dankbarkeit. Sie brauchen Zuwendung und sie geben sie freudig
zurück. Missbrauchtes Vertrauen brennt sich tief in die Seele ein,
mit Folgen, denen die Psychologie erst im Ansatz auf der Spur ist.
Gut, dass die katholische Kirche jetzt den Dingen auf den Grund gehen
will. Am Ende könnte ein Psychogramm von Tätern stehen. Die Unkultur
des Wegsehens und Vertuschens, ob in der Familie, der Nachbarschaft,
im Sportverein oder in der Kirche ist unerträglich. Pädagogen und
Erzieher, die von Missbrauchsfällen hören, dürfen nicht aus falscher
Kollegialität schweigen. Großeltern müssen ihre Enkel schützen, wenn
ihnen Böses wiederfährt. Es gibt Fachleute an die man sich wenden
kann und die mit der notwendigen Diskretion und Sensibilität
Verdachtsfällen nachgehen können.
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